Evolution und Zufall

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Evolution und Zufall

Wissenschaftler sind Wahrheitssuchende, Marketing und PR steht bei den wenigsten von ihnen hoch im Kurs. Daher taumelt Wissenschaft auch von einem PR-Debakel ins nächste. Ein schmerzhafter Schuss ins eigene Knie ist beispielsweise, die Verknüpfung des Begriffs Evolution mit dem Begriff Zufall.

Während Evolution keiner kapiert, dem man es nicht ausführlich erklärt, ganz so einfach ist es nicht, glaubt immerhin jeder zu Wissen was Zufall ist. Wenn wir in der Schule etwas über Evolution hören, dann bleibt in erster Linie Zufall hängen – und bei stark Pubertierenden vielleicht noch sexuelle Selektion. Aber Zufall auf jeden Fall – und das fällt der schönen Evolutionstheorie dann in der Öffentlichkeitsarbeit auf den Kopf. 

„Es kann ja nicht alles aus Zufall entstanden sein.“ Rufen die Evolutionsleugner ungläubig aus. Im schlimmsten Fall kommen sie dann noch mit der Geschichte, dass wenn ein Sturm über einen Schrottplatz fegt, dann ja keine perfekte Boing entsteht, egal wie lange der Wind die Teile durcheinander wirbelt. Und Leben ist ja noch viel komplizierter, also können nur Schwachsinnige glauben, wir hätten uns zufällig entwickelt. Also ist Evolution Schwachsinn.

So oder ähnlich wird das Wort Zufall gegen die Evolutionstheorie in Stellung gebracht. Und vielleicht sind die Biologen selber daran schuld, wir mussten den Zufall ja unbedingt so betonen, so als Gegenentwurf zum Schöpfer. Und das war ein PR-Fehler. Jetzt glauben die schlechter Informierten, sie müssten sich entscheiden, ob sie an Gott oder an Zufall glauben sollen.

Eigentlich ist “Evolutionstheorie” schon falsch, wir hätten bei Darwin bleiben sollen: Der nannte seine These nicht Evolutionstheorie, sondern Selektionstheorie. Sein bahnbrechendes Werk „Vom Ursprung der Arten“ heißt eigentlich „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ 

Das Wort Zufall kommt völlig zu Recht im Titel nicht vor, es geht um Natural Selection – natürliche Auswahl. Der Trick der Evolution ist das Gegenteil von Zufall: Selektion. Wer überlebt und wer sich am besten fortpflanzt ist eben nicht zufällig. Sondern das gelingt jenen, die am besten an ihre Umwelt angepasst sind. Ob du lange lebst und ob du deine Gene weitergibst ist nicht zufällig, es hängt davon ab, ob dein Immunsystem gut funktioniert, wie clever du bist, wie du aussiehst, wie du riechst und ob deine Spermien fit sind. Falls du Spermien produzierst und somit per Definition männlich bist. Ja klar spielen Zufälle im Leben eine Rolle und der großartigste Spermienverbreiter pflanzt sich nicht vor, wenn er als Dreijähriger vom Säbelzahntiger gefressen wird. Aber über Generationen gesehen, ist die Selektion der Taktgeber – das eben genau nicht zufällige Überleben und Fortpflanzen.

Ok, es gibt vermutlich ein paar Streber die es genauer wissen wollen. Also: Es gibt grob gesprochen vier Evolutionsfaktoren: Mutation, Gendrift, Rekombination – bei diesen dreien spielt der Zufall eine Rolle, er darf unter anderem für Vielfalt sorgen, dafür dass wir uns alle unterscheiden. Doch als 4. Faktor greift die Selektion ein – und die bevorzugt aus der großen Auswahl nicht zufällig irgendwen, sondern die die am besten angepasst sind.

Übrigens gibt es auch bei den anderen drei Faktoren, Mechanismen, die die Rolle des Zufalls einschränken und die Palette möglicher Varianten eingrenzen, aber das führt zu weit. Lest ein gutes Buch dazu oder vielleicht erklärt euch das der Martin Moder. Aber bitte, bitte, bitte – hört auf mit dem „es kann ja nicht alles Zufall sein.“ Nein, kann es nicht. Es ist Evolution, stupid!

credits cc: Veronika.szappanos

One Response to “Evolution und Zufall”

  1. Zufall oder Gott? Damit machen Evolutionsleugner es sich ein bisschen zu einfach | gwup | die skeptiker Says:

    […] das Unsinn ist, erklärt Jörg Wipplinger in seinem neuen […]

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