Das Recht auf Glück

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Das Recht auf Glück

Text:

Eigentlich ist es ja sehr seltsam, dass man sich mit der Suche nach Wissen unbeliebt machen kann. Ich bin oft verblüfft, wie Menschen scheinbar den Eindruck haben, Erkenntnisse würden ihnen etwas wegnehmen. Offensichtlich ist Wissensgewinn mit einer tiefen Kränkung verbunden. Und ich hab den Eindruck, dass das nicht nur daran liegt, dass Scharlatane dadurch gelegentlich ihren Job verlieren.

Da muss mehr dahinterstecken. Ich habe herausgefunden was es ist. Wahrscheinlich nicht als Erster und wahrscheinlich gibt es exzellente Literatur dazu, aber ich tu jetzt mal so, als wäre es meine private Erkenntnis.

Ein aufgeklärtes Weltbild nimmt den Menschen tatsächlich etwas weg. Etwas, wovon wir uns gerne einbilden, dass wir es hätten: Das Recht auf Glück. Religionen, esoterische Ideologien und Hollywoodfilme gaukeln uns vor, es gäbe so etwas. Jeder Mensch hat das Recht auf Glück, wenn nicht hier, dann im Jenseits.

Leider nein. Die Natur ist wertfrei und leider auch frei von Rechten. Lebewesen leben, weitere Privilegien sind mit der Geburt nicht verknüpft.

Wir bilden uns gerne ein, wenn wir ein gutes Leben führen, dann haben wir uns unsere Portion Glück verdient. Wir bilden uns gerne ein, dass es so etwas wie eine natürliche Fairness gebe – Karma oder göttliche Gerechtigkeit- das jüngste Gericht. Eine Einbildung die mit einem realistischen Blick auf die Welt sehr schnell verblasst.

Es gibt Glück. Es gibt nur kein Recht darauf, weder hier noch in einer anderen Welt.

15 Responses to “Das Recht auf Glück”

  1. Redfox Says:

    Gutes Video, was du meinst nennt sich “Just-world phenomenon”.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Just-world_phenomenon

  2. Jörg W. Says:

    @Redfox
    Danke, ja das ist ein Teil der Geschichte.

  3. mh Says:

    Nein, das kann es so nicht sein. Es gibt wohl kein Recht auf Glück, aber das wird normalerweise auch nicht zugesichert, sondern ein Recht darauf sein Glück zu suchen (pursuit of happiness). Aber, woran ich mich gestört habe: “Lebewesen leben, weitere Privilegien sind mit der Geburt nicht verknüpft”. Das greift ein wenig zu kurz. Oder wie schaut es aus mit den universalen Menschenrechten, sicher, dazu gehört nicht das Glück, sondern nur das Streben danach, aber es gibt auch andere, wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit.
    Und wäre das Geboren werden wirklich unser einziges Privilegium, es wäre traurig um unsere Gesellschaft bestellt. Der Mensch besitzt eine Moral und das Leben, und folglich das Handeln ist nicht wertfrei. Nur weil mancher seine Vernunft nicht benutzt, heißt es nicht, das diese uns nichts zu sagen hätte.

    Etwas ganz anderes ist, dass so mancher mit seinem Glück hadert, vielleicht zuweilen sogar grundlos. Da helfen aber sogar manchmal recht einfache Überlegungen. Francois Lelords Buch Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück ist eine – fast schon kindgerechte – Hilfe, sich dem Glück ein wenig zu nähern.
    Und vielleicht wäre es auch wichtig, wieder einmal zu überlegen, was Glück eigentlich ist.

  4. Joerg Says:

    @mh
    sorry, aber da passiert dir genau jenes Missverständnis, dass Hintergrund des Videos ist. Rechte, wie beispielsweise die Menschenrechte, sind immer subjektive Rechte – also Privilegien, die wir uns nur gegenseitig als Menschen geben können – und auch sollen, da kommt die Ethik ins Spiel.
    Aber es ist keine Kategorie, die in der Natur vorkommt – daher versuchen Gläubige aller Art es in die Natur hineinzudichten, siehe den Link von Redfox.

  5. mh Says:

    Ich bin uneinsichtig. Es mag sein, dass wir ein wenig an einander vorbei reden, aber dafür ist der Dialog ja da … 😉
    Es mag falsch sein, die Welt als einen gerechten Ort an sich zu halten. Hm, da gehen die Probleme eigentlich schon los. Da könnte man die verschiedensten Überlegungen anstellen. Vielleicht ist ja die Welt an sich sogar gerecht, nur die Neigung des Menschen, sich anders zu verhalten macht sie zu einem Ort des Unrechts. (da wären wir schon sehr nahe an dem, was manche Leute im Sündenfall zu lesen glauben, aber da wollt ich ja gar nicht hin …)
    Für das Verhalten von Tieren gilt das wohl auch, es gibt kein Recht und somit kein Unrecht. Für den Menschen scheint das anders zu sein, ich glaube, darauf können wir uns einigen. …
    Wenn es aber für den Menschen ein richtiges und ein falsches Verhalten gibt, muss auch eine grundlegende Instanz (nein, das muss nichts religiöses sein) geben, aus der hervorgeht: es gibt gut und es gibt richtig …
    Also noch mal, ich will überhaupt nicht bestreiten, dass die Natur uns keine Glücks-Zertifikate gegeben hat und wir nicht zur Nationalbank (oder wohin auch immer, zuständig wäre vielleicht eine nationale Glückskommission) gehen können und sagen: “Ich möchte bitte mein Glück einlösen.”
    Genauso wenig kann ich fordern, alle Menschen mögen sich “richtig” verhalten. Und ja, es mögen subjektive Rechte sein (ich persönlich bin mir da nicht so sicher), aber sie müssen dennoch einen Ursprung haben. Wieso ist der Mensch in der Lage überhaupt eine Ethik zu entwickeln – nur eine Ironie der Natur? Und was wären die Konsequenzen daraus? Ein Aufruf zur grundsätzlichen Missachtung jeglicher Ethiken?
    Ich hab selbst keine Antworten und reite zugegebener Maßen etwas pedantisch auf dem Satz rum, der mich oben störte.

    Dafür noch ein produktiver Verweis, nettes Buch zum Thema: Richard Powers – das größere Glück. Ein wenig anspruchsvoller als der oben erwähnte Lelord.

  6. Joerg Says:

    Uneinsichtig? Wie unverfroren 😉
    Du erwartest also so etwas wie eine absolute Instanz, die irgendwie festgeschrieben hat, dass es einen substanziellen Unterschied gibt, was richtig und falsch ist. Das ist aus meiner Sicht ein religiöser Standpunkt und meines Erachtens nicht zu belegen.
    Ethik entstand aus der Notwendigkeit des Zusammenlebens. Jedes Lebewesen braucht für sein Überleben ein Mindestmaß ans Sozialregeln und sei es auch nur “Friss deinen Partner erst nach der Paarung” (bei manchen Insekten von mir aus sogar während der Paarung). Je sozialer die Spezies, inklusive Individualisierung, umso komplexer die Regeln. Ethik ist in Religionen an Absolutheiten gebunden (meistens übrigens an recht grausame), Ethik im evolutionären Humanismus ist aus der menschlichen Geschichte erklärt und baut auf menschlichen, nicht absoluten Werten auf – Buch dazu: Michael Schmidt Salomon- Manifest des evolutionären Humanismus. Seeeehr empfehlenswert.

  7. Helmut Says:

    Begriffe wie “richtig” oder “falsch” sind reine Konventionen die sich stetig weiterentwickeln.
    Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass manche Dinge noch vor wenigen Jahrhunderten gesellschaftlich etabliert waren die wir heute als abscheuliche Greueltaten einstufen würden.
    Es ist für mich auch unvorstellbar, dass Farbige in den USA der 60er Jahre nicht die selben Toiletten benutzen durften wie Weisse.

    Wer kann schon sagen, wie uns die nächsten Generationen beurteilen werden wenn sie in hundert Jahren auf uns zurück schauen. Hoffentlich sind bis dahin Niki Lauda´s Aussagen zu Dancing Stars aus den Archiven verschwunden. 😉

  8. retiree Says:

    @mh

    >>>Es mag falsch sein, die Welt als einen gerechten Ort an sich zu halten.<<<

    Ist die Evolution gerecht?????

    Das am besten an die Gegebenheiten angepaßte Leben hat Chancen, nicht Glück!!!

  9. helfgott Says:

    Und ich dachte die Religionen sehen Glück usw. nicht als Recht (einklagen kann man ja bei denen nix) sondern als Versprechen. So manche Produktwerbungen spielen auch mit diesem Versprechen (auch da lässt sich nix einklagen).

    Interessant wäre die Frage, ob Religionsangehörige einen signifikant höheren Glücks-“Pegel” haben als andere, sprich ob das Versprechen auch zumindest tendenziell eingelöst wird.

    Wenn ja, dann müsste diewahrheit.at das eigentlich auch anerkennen – als empirische Tatsache. Aber Vorsicht bei der Antwortsuche, sonst werdet ihr am Ende noch zu Religionspredigern…

  10. Jörg W. Says:

    @helfgott
    die Frage ist tatsächlich interessant und wahrscheinlich auch schon beantwortet. Müsste ich mal recherchieren, ich glaube im deutschsprachigen Raum schreibt der Michael Blume so einiges dazu.

    Als wissenschaftliches Ergebnis müsste ich das anerkennen, aber selbst wenn Religion, dass einzige wäre, was Menschen glücklich machen könnte, wäre das noch kein Hinweis darauf, dass es einen Gott gibt. Und wie die Domain schon verrät, hänge ich mehr an der Wahrheit als am Glück 😉 Erlogenes Glück würde mich nicht glücklich machen.

  11. helfgott Says:

    @Jörg W.: Gott würde in besagtem Fall wirklich existieren als, per Definition, jene Vorstellung welche die Menschen glücklich machen kann. Und das wäre dann wahr, nicht? So eine Existenz hätte allerdings etwas von Selbstbefriedigung an sich, was mir moralisch bedenklich erschiene… (gibt’s denn hier kein erhobener-Zeigefinger-Icon?!)

  12. Jörg W. Says:

    @helfgott
    Wenn du Gott definierst, wie du es gerade brauchst, ist klar, das es ihn gibt 😉
    Mit Selbstbefriedigung wiederum habe ich keine moralischen Bedenken….

  13. Yo Says:

    Man kann das Recht auf Glück auch so interpretieren, dass die Herrschenden sich darum bemühen sollten, Unglück von ihrem Volk abzuwenden (wie z.B. Krieg, Hunger, Krankheit, etc). Denkt mal umgekehrt: Welche Mutter, welcher Vater glaubt, dass sein Kind kein Recht darauf hat, glücklich zu sein? Glaubt einer von euch, dass er nicht glücklich sein darf? Empfinden wir es nicht als Unrecht, wenn jemand das Glück anderer zerstört? – Zielen nicht alle unsere Menschenrechte darauf ab, unser Glück zu schützen? Ich denke, das Recht auf Glück ist so tief in unserem Denken verwurzelt, dass es uns schwerfällt, es klar zu sehen.

  14. GAMER Says:

    helfgott:
    Und ich dachte die Religionen sehen Glück usw. nicht als Recht (einklagen kann man ja bei denen nix) sondern als Versprechen. So manche Produktwerbungen spielen auch mit diesem Versprechen (auch da lässt sich nix einklagen).

    Interessant wäre die Frage, ob Religionsangehörige einen signifikant höheren Glücks-”Pegel” haben als andere, sprich ob das Versprechen auch zumindest tendenziell eingelöst wird.

    Wenn ja, dann müsste diewahrheit.at das eigentlich auch anerkennen – als empirische Tatsache. Aber Vorsicht bei der Antwortsuche, sonst werdet ihr am Ende noch zu Religionspredigern…
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    Ich bin römisch katholisch.
    Meine Eltern und Geschwister sind aus der Kirche ausgetreten und auch bei vielen im Bekannten-und erweiterten Verwandtenkreis kann Ich eine eindeutige Tendenz zum Atheismus erkennen, was sich auch Bundesweit in Zahlen ausdrückt, ACHTUNG, Ihr werdet noch Mainstream 😉

    Wenn Ich mich mit meinen atheistischen Verwandten und Bekannten vergleiche, dann bin Ich von Intelligenz, Wissen und glücklichkeit die Nummer 1.
    Eine Bundesweite Studie dazu zu machen ist keine große Sache, muss nur jemand machen(ABER IMMER ACHTUNG BEI STUDIEN!!!!!)…meine eigene subjektive Erfahrung ist das Ich ein glücklicher Christ bin.

  15. bewusstsein Says:

    Ich denke um über etwas zu diskutieren sollte man es vorher möglichst gut definieren.
    Daher definiere ich Glück (zb) als Lottogewinn, ich denke die Mehrheit der Menschen würde mir hier zustimmen. (leider!)
    Das Recht auf einen Lottogewinn hat definitiv keiner (außer der Gewinner), aber jeder könnte theoretisch gewinnen. Keiner ist bevorzugt und keiner benachteiligt. Wer gar nicht an Glück glaubt, der wird auch nicht spielen. Seine Chancen zu gewinnen sind dann praktisch Null.
    Mit dem Glück ist es genauso… jeder schmiedet sein eigenes Glück- ein Recht dazu gibt es allerdings naturgemäß nicht. -> zum Glück(!), denn da Glück verschieden definiert werden kann, würde ein Recht darauf die Freiheit beeinträchtigen.

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