Der Atomthunfisch und die Spieltheorie

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Der Atomthunfisch und die Spieltheorie

Mit Dank an Ulrich Berger für das Gegenchecken. Er behauptet, ich würde hier das “Public-Goods” Problem korrekt darstellen.

9 Responses to “Der Atomthunfisch und die Spieltheorie”

  1. YouMan Says:

    Leider ist das alles ziemlich richtig, was du da sagst. Und leider besteht anscheinend die einzige Lösung des Dilemmas darin, dass irgendjemand uns egoistischen Durchschnittsmenschen zum Glück verhilft. Jemand, mit mehr Macht als wir. Jemand “von weiter oben”. Zum Beispiel die EU.
    Und wenn die dann so schlimme Dinge rausgibt, wie z.B. eine Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG (die die Hersteller in ihrer Freiheit einschränkt, den Markt unbemerkt mit billigen Energiefressern zu überschwemmen), oder uns die gute alte Glühbirne wegnehmen will (genaugenommen die Herstellung dieser verbietet, und somit die Hersteller zur Entwicklung energiesparender Alternativen zwingt), dann können zumindest wieder solidarisch zusammenhalten und gegen den gemeinsamen Feind wettern, wie Geschwister-Kinder, die Abends von ihren Eltern vermeintlich zu bald ins Bett geschickt wurden.

  2. blablablubb Says:

    ähm, und was genau soll erstrebenswert oder schön daran sein, tierleichen zu fressen? ^^
    da steckt ein ziemlicher denkfehler in der videobotschaft: durch freiwillige “einschränkung” in den dingen, die einem selbst und der welt schaden, verliert man nicht an lebensqualität, sondern ganz im gegenteil, man gewinnt ganz stark an lebensqualität gegenüber otto-normalverbraucher. die dinge haben immer nur die bedeutung, die man ihnen verleiht!

  3. Joerg Says:

    natürlich kannst du den Dingen ganz nach deinem Gutdünken Bedeutung verleihen. Und zum Beispiel Einschränkungen als Bereicherung definieren. Die Frage im Video ist: Soll ich mich persönlich einschränken für das Wohl aller /das Gute in der Welt? Die Frage spielt erst dort eine Rolle, wo du etwas als Einschränkung erlebst. Wenn du den Verzicht auf alles was deinen ökologischen Fußabdruck vergrößert nicht als Einschränkung erlebst – schön für dich (gesamt betrachtet aber etwas unglaubwürdig, außer du lebst irgendwo ganz isoliert in einem Erdloch. Aber offensichtlich verwendest du einen stromgetriebenen und aus seltenen Erden gebauten Computer).

  4. rolak Says:

    Schön dargestellt, Jörg, warum nur eine globale Regelung, nie aber eine lokale Beschränkung ein Verbrauchsdilemma lösen kann.

    Ersteres hat, wie YouMan schon erwähnte, ja auch seine positiven Seiten: Ein böser Feind gibt dem Tag Struktur (Formulierung (c) Pispers), ein gemeinsamer der Gruppe Zusammenhalt.

    Nee, Rahmspinat, es ist nicht Lebensqualität, was bei Selbstkasteiung in Dir anwächst, sondern das ‘ich bin besser’-Überlegenheitsgefühl gegenüber dem Rest der Welt, das klassische ‘holier than thou’-Syndrom. Es ist nach Deinem Intro auch höchst fraglich, ob es denn schön oder erstrebenswert sei, Pflanzenleichen zu fressen.
    Übrigens leben wir in einer Gesellschaft, in der es zur Erhöhung der Kopulationsbereitschaft üblich ist, eine Sammlung abgeschnittener Geschlechtsorgane anderer Lebewesen zu überreichen. Auch wenn das eklig klingt, es beschreibt nur in Deiner anmaßenden Wortwahl eine an sich nette Geste.
    ^^Immer diese Sauertöpfler…

  5. cydonia Says:

    Gut, rolak, da wäre ich jetzt nicht drauf gekommen……allerdings muss man auch sagen, dass diese “Geschlechtsorgane” ihre Funktion abgeschnitten weitaus besser erfüllen, als wären sie noch dran. Alle diese Varianten würde es gar nicht geben, wenn Menschen sie nicht gezüchtet hätten, und mit riesigem Aufwand hegen und pflegen würden. Wir werden von diesen Wesen nur benutzt und ausgenutzt! Jawoll!
    Und Jörg, was man nicht vernachlässigen sollte ist der unglaubliche Wohlfühlfaktor der Tatsache, zu den Guten zu gehören. “Ich bin gut, guuuuuut, und ihr seid alle schlecht!” sagt sich der Thunfischverächter immer wieder und läuft wissend und in sich hinein lächelnd durchs Leben……wenns nur so wäre. Es gibt oft kaum etwas Aggressiveres, als Menschen, die sich ganz allein im Recht fühlen, und auch kaum etwas Vergnatzteres. Da sind noch ein paar Dimensionen, die ausgeleuchtet werden sollten.

  6. Joerg Says:

    @cydonia ja, den Effekt gibt es und ich erlebe ihn durchaus auch an mir selbst, bin ja ein Thunfischveraechter, zumindest gelegentlich. Und ja, manchmal fuehle ich mich mit meinem verhaeltnismaessig kleine oekologischen Fussabdruck als der bessere Mensch 😉
    Aber es geht auch noch um einen anderen Punkt, um Glaubwuerdigkeit. Ich kann einen Umweltschuetzer nicht ernst nehmen, wenn er nicht auch bewusster Konusment ist. Es ist vielleicht nicht immer zwingend rational, aber “Wasser predigen und Wein trinken” geht in meinen Augen nicht zusammen. Aber ev. Lege ich noch mal was nach in Richtung private und gesellschaftliche Verantwortung, also Regeln von oben runter oder von unten rauf.

  7. cydonia Says:

    Ich freu mich drauf, auch wenns nur eine Eventualität ist!
    Und z.B. bewusst ohne Auto, Fernseher etc. zu leben und den Fischbedarf eigenhändig aus naturnahen Gewässern zu decken, darauf bin ich auch ein bisschen stolz, zugegeben. Ich war aber auch immer besonders stolz auf meinen vergleichsweise winzigen Fußabdruck, und habe ihn total versaut als ich meine Frau kennengelernt habe: sie kommt vom anderen Ende der Welt, und wenn die Schwiegereltern die Kinder nicht manchmal sehen, gibts Ärger….So ist das mit den guten und sinnvollen Vorsätzen: man muss zuweilen in der Lage sein, diese in den Wind zu schießen, wenn es dem eigenen Glücke dient.
    Was passiert, wenn man dies nicht schafft, kann man dann oft überdeutlich in den Gesichtern der Entsagenden lesen.

  8. BeSt Says:

    tja, aber seinen (theoretischen) kindern könnte man dann mal sagen: “ich hab Euch jedenfalls NICHT den letzten Tunfisch weggegessen”.

    ach, wären wir doch mehr wie Schwarmfische….leider fehlt uns die kollektive intelligenz.

    Als Reaktionsschwelle bezeichnet man den Wert, bei dem insgesamt die Mehrheit der im Zuge eines Experiments beobachteten Individuen auf einen Reiz eine bestimmte, (noch) wahrnehmbare Reaktion zeigt[1].
    Reagieren mindestens 50 % des Schwarms auf das Verhalten, indem sie zum Beispiel dieses Verhalten kopieren oder eine andere, durch das ursprüngliche Verhalten ausgelöste Reaktion zeigen, so ist für den Schwarm / Staat die Reaktionsschwelle überschritten. In der Folge werden immer mehr bzw. alle Individuen die Reaktion übernehmen, für die sich die Mehrheit entschieden hat, ein Verhalten, das man als Kollektive Intelligenz bezeichnet.

  9. Joerg Says:

    interessantes Zitat, woher auch immer 😉
    Steht da auch, ob die solcherart getroffenen Entscheidungen auch gut sind? Oder ob es eigentlich eher “kollektive Dummheit” heißen sollte?
    Irgendwie scheint es jedenfalls nur wenige zu interessieren, ob ihre Kinder auch Thunfisch essen können (oder einen artenreichen Wald sehen, bzw. in einer artenreichen Welt leben)…

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