Masken und der Hausverstand

Posted on: July 22, 2020
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Es wird viel über den Mund-Nasen-Schutz diskutiert und das ist – nervig.

Die rationale Einstellung zur Maske ist leicht zu beschreiben:Geht es darum die Pandemie einzudämmen, nützt sie eventuell ein wenig https://www.medizin-transparent.at/masken-corona/ bzw. https://www.addendum.org/coronavirus/rueckkehr-zur-maskenpflicht/?fbclid=IwAR2r9pY94Pmg1iOH5WpQ5j2kMHtMDPxuiEpL33L0dg1m2pEcWjUvPABijgM

Allerdings bringt der Mund-Nasen-Schutz kaum Risiken mit sich und kostet wenig. Ergibt in Summe ein kleines Plus für die Masken – zumindest aus einer rein rationalen Gesundheitsperspektive.

So weit so gut. Der Rest der Diskussion läuft gerade furchtbar ab. Schuld daran sind der Hausverstand (und das Bedürfnis der Gute zu sein, aber darüber schreib ich ein anderes Mal).Der Hausverstand bringt Argumente, die auf Anhieb überzeugend wirken und die sofort geglaubt werden können. Nona -Gschichtn. Sowas wie die Bilder anbei.Aus der Medizin wissen wir, dass solche Hausverstandsargumente oft falsch sind. Aber, sie sind bildhaft und deshalb überzeugend. Ein Beispiel aus der Orthopädie: Abgenutzte Knieknorpel wurden -und werden- gerne mittels Arthroskopie gespült und abgeschliffen. Der Erfolg ist sofort sichtbar, der vorher rissig und kaputt aussehende abgenutzte Knorpel sieht wieder frisch und glatt aus. Das hat erfahrene Ärzte jahrelang aufs Glatteis geführt, denn der Eingriff bringt bei abnützungsbedingter Arthrose überhaupt nichts – wie wir dank Studien mit Schein-Operationen wissen https://www.medizin-transparent.at/gelenkspiegelung-bei-kaputten-knien-nutzlos/. Das Gelenk schaut schöner aus, aber die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bleiben.

Dank vieler solcher Beispiele ist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bewusst, dass bildhafte, oberflächlich überzeugende Argumente, Hausverstandsgeschichten, kritisch geprüft werden müssen.

Viele Masken-Memes sind solch oberflächlicher Unsinn. Wir fallen darauf herein, weil wir uns einbilden, den Nutzen unmittelbar zu sehen – wir erkennen einen Mechanismus. Die Überzeugungskraft der Bilder und das Gefühl etwas verstanden zu haben, halten uns von einer genauen Prüfung ab, doch die wäre dringend nötig. Zu den Bildern: Die Länder haben zahlreiche andere Unterschiede, die für die unterschiedliche Ausbreitung verantwortlich sein können: beispielsweise frühere, teils strengere Maßnahmen, eine Corona-App, die funktioniert oder auch schlicht eine andere Kultur des Abstand Haltens.

Das Bild mit den Atemwolken oder erst recht das mit dem Anpinkeln, hat keinerlei Aussagekraft darüber, ob ein Mund-Nasen-Schutz im echten Leben die Ausbreitung der Pandemie bremsen könnte. Um die Frage beantworten zu können, ob die Maske dann hilft, muss man sich jene Situationen ansehen, in denen tatsächlich eine Ansteckung passiert und ob in dieser Situation die Maske den notwendigen Schutz bietet. Wenn 70 Personen zwei Stunden in einem schlecht belüfteten Raum gemeinsam Party machen, wird der Mundschutz sie nicht retten. Wenn Du hingegen in einem halb leeren Supermarkt einkaufen gehst und den Mindestabstand einhältst, bist du auch ohne Maske auf der sicheren Seite. Außer jemand niest Dir drei mal ins Gesicht. Dann ist allerdings auch fraglich, ob die Maske geschützt hätte.

Mir wäre das alles halbwegs gleichgültig, wie geschrieben, die rationale Haltung ist einfach. Aber es nervt enorm, dass selbst im Pandemiefall oberflächlicher Schund als Argument gilt; dass selbst Skeptiker, die eigentlich längst wissen sollten, was es mit dem Übel „Hausverstand“ auf sich hat, auf diesen Zug aufspringen, wenn es ihrer Ideologie passt.Das ist übrigens kein Plädoyer gegen Masken, sondern eines gegen schlechte Argumente. Die sind auch im Dienste einer guten Sache immer noch schlecht.

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