Die Frau, die von der Regierung am heftigsten verarscht wurde

Posted on: October 28, 2018
No comments yet

Evidenzbasierte Politik

Keine Regierung kann es allen Recht machen, was dem einen nutzt, kann dem anderen schaden. Und selbst die alles überstrahlende Regierung unter Kanzler Kurz hat ihre Schattenseiten. Doch wem hat sie wohl am aller übelsten mitgespielt?

Einer oberösterreichischen Kellnerin, die jetzt 12 Stunden am Tag im verrauchten Lokal servieren muss und es sich nicht leisten kann ihr Kind ganzwöchig in den Kindergarten zu geben?

Nein, das ist zwar eine kleine Gemeinheit, aber wirklich verarscht wurde – dramaturgische Pause –

Antonella Mei-Pochtler. 

Die nagt zwar vermutlich nicht am Hungertuch, aber sie wurde im März beauftragt einen Think Tank für die Regierung zu gründen. Besonders wichtig für sie und den Sebastian ist (Zitat): „Evidence based policymaking.“

Himmel hat die Regierung die Frau verarscht!

Politik nach dem besten Stand des Wissens ist aus meiner Sicht selbstverständlich, ich würde von jedem Entscheidungsträger verlangen, dass er sich nach dem besten Stand des Wissens erkundigt, bevor er wichtige Entscheidung trifft. Aber ich bin ja auch ein naiver Träumer.

Also abgesehen davon, dass es ziemlich übel ist, dass es überhaupt eine andere Art des Policymaking gibt – ich glaube das ist der berühmte Populismus- ist noch selten eine Regierung so evidenzfeindlich aufgetreten wie die jetzige. 

Und das ist gar nicht einfach: Erstens weil sich Regierungen grundsätzlich erschreckend wenig um Fakten und Wissen kümmern und zweitens, weil es bei vielen Fragen einfach zu wenig Evidenz gibt. Das Problem ist ähnlich wie in der Medizin.

Evidenz da, Entscheidung andersrum

Aber was diese Regierung so speziell macht: Sie sucht sich die wenigen Themen, zu denen die Evidenz – also die Beweislage, die Fakten – eindeutig ist, und macht dann das was der Evidenz am meisten widerspricht. 

Angefangen beim nicht vorhandenen Nichtraucherschutz: Das Rauchverbot in der Gastronomie abzulehnen, ist eine der wenigen Maßnahmen, bei denen wir ziemlich genau wissen, wie viele Tote sie bringen wird (und wie viele Jugendliche deswegen zu Rauchen beginnen werden). Wir wissen es, die richtige Maßnahme, nämlich der Nichtraucherschutz, ist einfach, faktenbasiert und wirksam – und die Regierung macht aktiv das Gegenteil.

Genau das Gleiche beim Klimaschutz: Gedrosselte Geschwindigkeit ist die schnellste, wirksamste und billigste Maßnahme. Wir wissen es. Die Regierung fördert 140 auf der Autobahn.

Alternativlose Medizin

Kein Wunder also, dass die Regierung bei der Medizin genauso weitermacht: Alternativmedizin soll ausschließlich in ärztliche Hände. Scharlatanerie wird gesetzlich geadelt. Die Ärzte freuen sich, schließlich wird so Konkurrenz abgeschossen. Für die Patienten wird es langfristig zu Schäden führen: Die Ärzte bekommen weitere Interessenkonflikte zwischen wirksam und nachgefragt und vor allem wird das Werkzeug Evidenz zur Seite gelegt.

Wenn die arme Antonella Mei-Pochtler das mit dem “evidence based policymaking” ernst gemeint hat, kann sie einem mit diesem Job wirklich nur leid tun, denn die Regierung macht – nachweislich – immer das Gegenteil von dem was bewiesenermaßen wirksam wäre.

schreib einen Kommentar