Wie vermarkten Sie Ihr Wundermittel?

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Wie vermarkten Sie Ihr Wundermittel?

Mit ein paar Fragen finden Sie die richtigen Partner!

Über Ukrain:

Die Autorin und Mundartdichterin El Awadalla hat schon im Jahr 2000 in ihrem Buch “Kraftorte – Geldquellen” über den kürzlich festgenommen Vertreiber des angeblichen Wundermittels “Ukrain” geschrieben:

“Ukrain ist ein weltweit in keinem Staat zugelassenes angebliches
Medikament gegen Krebs. Mittlerweile ist es etwas stiller um dieses
Mittel geworden. Ihren Höhepunkt erreichte die Werbekampagne für Ukrain
in der Zeit vom Herbst 1994 bis zum Sommer 1995. Am 31. Juli 1995 wurde
eine Sendung von “Schiejok täglich”, der mittlerweile eingestellten
Nachmittagstalkshow des ORF, vom Mai wiederholt, bei dem der Hersteller
von Ukrain, Dipl. Ing. Jaroslaw Wassyl Nowicky, und der bekannteste
Anwender, der Scientologe und praktische, “naturheilkundlich
orientierte” Arzt Dr. Thomas Gerlof Kroiss, auftraten und für ihr
Mittel Werbung machten. An Nowickys Seite stand sein Anwalt, der
frühere ÖVP-Abgeordnete Michael Graff. Die ganze Sendung war
ausschließlich diesem aus Schöllkraut hergestellten Mittel gewidmet.
Neben den Genannten traten sowohl durch Ukrain geheilte PatientInnen
mitsamt ihren ÄrztInnen auf als auch Vertreter der Ärztekammer und des
Wissenschaftsministeriums. Wohlweislich nicht geladen waren
VertreterInnen des Gesundheitsministeriums, denn dieses hatte sich
eindeutig gegen die Anwendung von Ukrain ausgesprochen. In einem
Schreiben an die Österreichische Ärztekammer vom 25. Februar 1994 wird
der Inhalt eines Bescheids aus dem Jahr 1986 wiederholt: “Die Anwendung
von Ukrain außerhalb einer klinischen Prüfung bleibt weiterhin
untersagt.” Innerhalb der Ärztekammer hingegen dürfte man sich
hinsichtlich der Beurteilung des Mittels uneinig sein, denn der im ORF
auftretende Primarius Zechner fand kein Wort der Kritik. Andererseits
hatte es gegen Nowicky bereits 1988 ein Verfahren gegeben, in dem auch
die Ärztekammer eine Rolle spielte. Das hindert Kroiss ebensowenig an
der Anwendung wie den Hersteller an Produktion und Vertrieb. Eine Reihe
von Ärzten wird von Nowickys Firma beliefert; ihre Adressen sind auf
Anfrage in Nowickys Büro erhältlich. Insgesamt hatte Kroiss dreimal die
Gelegenheit, bei Schiejok aufzutreten, mit allen Wiederholungen der
Sendung wurde so insgesamt neunmal für das Mittel geworben. Das habe,
so Nowickys Sekretärin ganz begeistert, zu einer sehr großen Nachfrage
geführt, aus ganz Österreich würden sich ÄrztInnen an die Firma wenden.
Bemerkenswert ist, daß die prominentesten Anwender von Ukrain
Scientologen sind, neben Kroiss auch ein weiterer Wiener Arzt, Dr.
Peter Kadan. Kroiss ließ sich im September 1994 im “Bezirksjournal”
über eine halbe Seite als mutigen Kämpfer gegen die Schikanen des
Gesundheitsministeriums und als Anwender von Ukrain feiern. Laut
Auskunft eines Mitarbeiters der Wiener Ärztekammer (will nicht genannt
werden) hätte es dafür eine Anzeige der zuständigen Magistratsabteilung
15 geben müssen. Die US-amerikanische Food and Drug Administration
(FDA) führt Ukrain am 17. 2. 1999 als “nicht genehmigt” an und
schreibt: “Der Artikel erscheint mit einem Mangel an adäquaten
Gebrauchsanweisungen.” ”

Text des Videos:

Nehmen wir an, Sie wollen ein Heilmittel vermarkten, wissen aber nicht, wer ihnen dabei helfen kann. Kein Problem, mit ein paar einfachen Fragen lässt sich klären, wo Sie Unterstützung finden:

  1. Frage: Wirkt ihr Wundermittel?

Ja. Wunderbar, aber auch ein wenig langweilig. Gehen sie zum Gesundheitsministerium, zu einem Pharmakonzern oder zu ihrem Hausarzt.

Wirkt es nicht? Kein Problem, machen Sie ja nicht den Fehler an dieser Stelle aufzugeben, ihre Chancen auf einen Erfolg haben sich dadurch kaum geändert. Also weiter im Fragenschema:

Sind Sie skrupellos genug, ihr Heilmittel mit völlig überzogenen Versprechungen anzupreisen?

Ja. Sehr gut, dann gehen Sie zum ORF. Der gibt Ihnen ein bis neunmal Sendezeit, vermutlich in einer Talksendung. Aber keine Angst, die stellen dort keine kritischen Fragen. Und lassen sie sich nicht von seinem öffentlich-rechtlichen Status irritieren, den eben festgenommen Vertreiber des Wundermittels Ukrain hat man auch mehr als einmal auftreten lassen. Sogar mit Unterstützung der Ärztekammer, womit wir bei der 3. Frage wären.

Können Ärzte mit Ihrem Mittel Geld verdienen?

Ja. Na dann ist der Drops gelutscht und ich gratuliere zum baldigen Reichtum, denn damit haben Sie die Unterstützung der Ärztekammer sicher. Die sind zwar theoretisch auch für Qualitätskontrolle zuständig – aber in erster Linie sind sie die Interessensvertretung der Ärzte und unterstützen folglich alles, was dem Geldbeutel der Klientel entgegenkommt. Daher gibt es auch für jeden esoterischen unwirksamen Schrott ein Diplom der Ärztekammer. Irgendwo in dem Haufen finden sie also sicher einen Partner, der sie dann auch bei Fernsehauftritten unterstützt. War bei Ukrain ja auch so.

Bleibt nur noch die Frage:

Wollen Sie das Mittel selbst vertreiben oder über Apotheken?

Das ist eine rein wirtschaftliche Frage und somit nicht mein Spezialgebiet, aber die Apotheken stehen ihnen natürlich offen. Klar machen die einen auf seriös und auf studierte Beratung und so, aber schauen Sie sich doch mal in einer Apotheke um, alles voller Zaubermittel. Zwischen Bachblüten für bettnässende Dackel und TCM Pflaster gegen chronische miese Laune fällt ihr Schrottprodukt auch nicht weiter auf.

Sie sehen: Wenn sie medizinischen Unsinn anpreisen, stehen sie nie alleine da.

Links:

Deutsche Apothekerzeitung 

derstandard.at

Die Diplome der Ärztekammer

5 Responses to “Wie vermarkten Sie Ihr Wundermittel?”

  1. KeinAnfang Says:

    Also leider scheitere ich bereits an der Frage 2.
    Denn ich denke das die Frage 1 da kein Problem ist, da ich ja gar kein Produkt habe. Erst muss man sich mal über Frage 2 klar werden. Ein Produkt findet man ja schnell.
    Sollte man es da besser machen wollen als Ukrain, dann kann man das Zeug ja Potenzieren, mittels Telepathie auf einen Kaugummi übertragen, oder einfach mal in Omas Kräuterbuch nachsehen und sogar mal nachsehen, ob die Zutaten auch harnlos sind.
    Man muss ja schon …. sein, wenn man Zeug verkauft, dass nicht irgendwie wirken kann

  2. rolak Says:

    moin Jörg, angenehm süffisant, der Text, reizt immer wieder so schön zum Griemeln – doch es gäbe zwei formale Mängel:YTclips, also auch die von Dir produzierten, schaue ich mir wg der Breitwandoption (Vollbild mag ich nicht) bei YT zu Hause an, was mir, wie in diesem Fall, auch noch die Option des Daumenhebens freistellt. Und dort ist die Endaussage “Viele Infos und Links unter dem Video” schlicht unzutreffend.Wunderhübsch übrigens die ‘ähnlichen’ clips am rechten Rand…Entweder fehlt ein lobender Hinweis auf Deine Synchronsprecherin der ersten beiden Sätze oder ein link zu der Firma, in der jene formidable Kreide produziert wird 😉

  3. Joerg Says:

    Danke für das Feedback. Das YT-Problem ist überhaupt noch ein wenig ein ungelöstes, ich bin mir noch nicht sicher wie ich weiter damit verfahren werde. Eigentlich will ich die Leute ja auf meiner Seite haben.

  4. rolak Says:

    Nu, als ‘Problem’ würde ich die Beschränkung von 3 auf 2 wählbare Darstellungsgrößen nicht gerade bezeichnen, Jörg. Das ‘maximieren’ scheint bei der Einbettung unter den Tisch gefallen zu sein.
    Was mir allerdings in der hiesigen Seitenquelle auffiel, ist die Größenvorgabe im einbettenden IFrame (560*315), wo doch die Ausmaße der 480p-Variante 854*480 sind. Nach Abspeichern Deiner Seite und händischer Korrektur dibt es deb clip immerhin in voller Pracht zu sehen. Umschalten geht allerdings immer noch nicht (warum auch).

    Zusätzlich hatte ich beim Kommentieren vergessen, daß hier keine Listen durchkommen (ol, ul). Ab dem ‘Entweder’ des letzten Kommentares wird der zweite formale Lapsus beschrieben.

    Ach übrigens: ‘Bachblüten für bettnässende Dackel’ hatte heute morgen für meinen armen Schreibtisch zu einer kleinen Kaffeedusche geführt.

    Und abschließend: Es bleibt mir weiterhin unmöglich, auf Deiner Impressum-Seite eine EMail-Adresse zur Kontaktaufnahme zu finden (kann sein, ich bin blind) – und die an die üblicherweise ‘immer’ vorhandene info@diewahrheit.at gesandte post kam zurück mir der lapidaren Feststellung

    A message that you sent could not be delivered to one or more of
    its recipients. This is a permanent error.

    Da war die Nebenstrecke YT schon recht praktisch.

  5. rolak Says:

    Dankenswerterweise wurde mir heute ein Rollator samt Hilfskrücke, Blindenhund und site-Fuhrer zugesandt, so daß selbst ich (hiermit wohl offizieller) Blindfisch die Adresse im Impressum fand.
    Es war auch ein wenig hilfreich, daß dort eine Handvoll bunter Fahnen eingepflanzt worden waren, ganz zu schweigen von dem Stolperdraht.
    Das nenne ich mal Wegweisen 😉

    Mit Verlaub habe ich Dich unter ‘scienceblogs’ eingeordnet, Sortage kann bei mir von außen durchaus als Camouflage wahrgenommen werden…

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