Philosophie ist dumm

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Philosophie ist dumm

Das Wissenschaft dumm ist, wissen wir ja schon, aber Philosophie ist noch schlimmer.

Text:

 

Liebe Wissenschafter, liebe Skeptiker, liebe Freizeitdenker!

 Den meisten von euch wird schon aufgefallen sein, dass die Aufklärung genau genommen nie stattgefunden hat. Wers nicht glaubt, möge Zeitung lesen – oder sich anschauen, wie unreflektiert Leute auf Facebook Falschmeldungen teilen.  Und ich weiß jetzt auch wer daran Schuld ist: Die Philosophie. Und die Wissenschaftstheorie. Die haben es versaut, dank ihnen hatte die Aufklärung nie eine Chance. Warum die Wissenschaftstheorie zu den großen Katastrophen der Wissenschaft gehört, habe ich hier schon erläutert, aber Philosophie ist noch schlimmer. Philosophie öffnet Willkür Tür und Tor. Mit ihren ständigen Zweifeln und tausenden Perspektiven und Relativierungen verhindert sie Erkenntnis. Das hintergründig weise “Ich weiß, das ich nichts weiss” ist eben auch Nährboden für intellektuellen Dünnpfiff wie “Unser Wissen ist ein Tropfen”. Der total konstruktive Konstruktivismus bildet den Humus für das total narzisstische “Wünsche ans Universum”-Weltbild. Das berechtigte Prinzip “Zweifel” mündet allzu schnell im resignativ-naiv-dummen „es ist eben nicht alles erklärbar“. Und natürlich wird Philosophie maßlos überschätzt, am meisten überschätzt sie sich selbst. Philosophie gibt es seit tausenden von Jahren, wissenschaftlichen und auch ernsthaft humanistischen Fortschritt erst seit gut 150 Jahren. Warum wohl? Nachdenken alleine macht Spass und hilft hin und wieder den Rahmen abzustecken, aber nur nachdenken alleine bringt nichts. So richtig Sinn macht Nachdenken erst, wenn die Ergebnisse des Denkprozesses systematisch an der Wirklichkeit getestet werden.

 Ansonsten entstehen Denkgebäude, die ihre Festigkeit nie beweisen müssen. Kein Wunder, dass über zwei Jahrtausende überhaupt nicht klar war, welches der Denkgebäude denn jetzt Sinn macht, mit Nachdenken allein lösen sich Debatten eben nicht. Erst, wenn aus Theorien Vorhersagen werden und wir beginnen diese Vorhersagen zu testen, entsteht Wissen. Dann fallen die Luftschlösser in sich zusammen und auf dem Rest lässt sich aufbauen.

 

28 Responses to “Philosophie ist dumm”

  1. Eike H. Says:

    Ich finde dieses Video leider zu undifferenziert. Allein schon die Aussage, die Philosophie hätte die Aufklärung verhindert wiederspricht der kategorisierung der Aufklärung als Philosophische Strömung/als Produkt der Philosophie. Erst durch die Schriften und Gedanken von Philosophen wie Hegel, Rosseau, Locke oder Kant und vielen anderen entstanden demokratische Systeme. Durch sie wurde es möglich, dass eine Gesellschaft an althergebrachten Konstrukten wie Religion und Absolutismus zweifeln kann und dass Wissenschaftler und Künstler frei arbeiten können. Dieser Prozess ist freilich noch nicht abgeschlossen, aber er wurde nicht gegen die Philosophie durchgesetzt sondern ist aus ihr entstanden. Und die Ideen der Aufklärung lassen sich in ihren Grundzügen bis zu den Vorsokratikern zurück verfolgen, welche an dem direkten Wirken der Götter in der Welt zweifelten und in einer (eingeschränkten) Demokratie lebten. Das heutige Weltbild vieler Menschen ist das Produkt eines fortlaufenden Prozesses aus Philosophie und Wissenschaft der sich seit Jahrtausenenden weiterentwickelt. Aufklärung und Ethik sind vielmehr Ideen die sich gegen das Moral-Monopol der Religionen durchsetzen mussten und müssen. Ich muss aber auch sagen, dass es in der Philosophie, wie im Video angesprochen, viele Teilgebiete gibt die nicht unbedingt Konstruktiv oder Ergebnisorientiert sind. Gerade in Bereichen der theoretischen Philosophie wie der Metaphysik, den konstruktivistischen Strömungen, der Erkenntnistheorie oder der Ontologie sind oftmals keine Ergebnise zu erzielen und es entstehen Ansichten die einiges mit Glauben zu tun haben und deren Anhänger untereinander Streiten. Jedoch ist es ein Merkmal der philosophischen Theorien, dass sie sich ihrer Fehlbarkeit bewusst sind. Sie sind, ähnlich wie die Wissenschaft, ein Werkzeug, dass in unterschiedlicher Weise genutzt werden kann. Dies unterscheidet sie von den religiösen Theorien, welche einen unflexiblen Wahrheitsanspruch darstellen. Ich finde es falsch das Ganze zu verdammen, nur weil mit einem Teil Sinnfreies oder Destruktives betrieben werden kann. Bis dahin, Eike

  2. Joerg Says:

    @Eike du stellst mich geradezu vor ein philosophisches Dilemma. Ich könnte dir einfach Recht geben (schließlich, stimmt ja was du schreibst) und auch noch anmerken, dass es mir nicht darum geht, Philosophie zu verdammen, sondern auch nur mal um eine bestimmte Perspektive.
    Aber dann wäre ja nach dem 2. Kommentar die Luft raus und das wäre langweilig, daher: Philosophie war vielleicht mal ein ganz brauchbarer Geburtshelfer für die eine oder andere akzeptable Idee, heute ist sie in erster Linie Schutzpatron von Religion, Esoterik und Beliebigkeit und arbeitet damit gegen die Aufklärung. Sie hilft dabei den Möchtegern-Denkern ähnlich wie die Quantenphysik – mit viel heißer Luft und verwirrenden Gedankenspielen, die in erster Linie ablenken. Bei der Quantenphysik ist das allerdings ein Missbrauch, hinter ihr steht Physik. Bei der Philosophie ist es aktuell der vorderste Existenzgrund.

  3. alex Says:

    du arsch!

  4. nora Says:

    …und das Internet ist selbst Schuld dran dass es auch von Perversen und Nazis genutzt wird? Philosophie ist nicht dumm, und das Werkzeug kann nicht für die Dummheit seines Benutzers verantwortlich gemacht werden.

  5. Laertes Says:

    Ich finde, der groesste Erfolg der Philosophie ist es, sich selbst irrelevant gemacht zu haben.

  6. neubauer markus Says:

    nun, nachdem ich das fach studiert habe, möchte ich schon etwas zu deiner polemik sagen. zunächst scheinst du einen sehr eingeschränkten begriff von philosophie zu verwenden. wenn man so will pendelt die philosophie zwischen einem mystisch-spirituell orientiertem denken und einem rational-wissenschaftlichen denken. während das rational-philosophische denken klar sagt, dass es nichts zur erkenntnis der welt beitragen kann, das sei das geschäft der naturwissenschaften, sondern dass ihre kompetenz “bloß” in der sprachanalyse liegt, d.h. in der analyse der logischen struktur des gesagten, in der semantischen analyse, in der rekonstruktion und kritik der vorgeltegten argumentation, versteht sich das mystische denken als alternative weltdeutung und relativiert auch die erkenntnisse der nawis. wenn du von konstruktivismus sprichst (steht in der tradition des mystischen denkens) musst du auch vom naturalismus, als philosophischer gegenposition, reden.

    und was den nutzen angeht: die moderne logik ist von philosophen entwickelt worden (Frege, Russell, Wittgenstein…) und hat damit der mathematik und den naturwissenschaften ungemein viel gebracht. weiters frage ich mich, was mit den normativen bereichen ist, hat die philosopohie zu themen wie gerechtigkeit, moral, ästhetik, etc.. was zu sagen? ich denke schon…

  7. Joerg Says:

    @Nora, Laertes, Markus ihr habt ja Recht, oder polemisch gesagt: Ja, eh! Aber wie Markus richtig schreibt, ist das Video eine Polemik, wenn auch vermutlich nicht meine am Besten durchdachte 😉
    Was mich jetzt aber interessieren würde: Ist der Grund meiner Polemik halbwegs zu erkennen? Oder bin ich der einzige, den es manchmal frustet, wenn sich Menschen, die unbedingt an irgend etwas glauben wollen, in philosophische Nebelgranaten hüllen? Und ich fürchte eben auch, dass es ihnen die Philosophie da zu einfach macht. Dass sie die Ecken und Windungen und Knöpfe im Hirn lieber hat, als den Bezug zur Realität. Und damit jedem zum Fluchthelfer wird, dem die Realität nicht passt.(Und ja, hier könnte man jetzt natürlich eine philosophische Abhandlung über den Begriff “Realität” einfügen, was ihr gerne könnt, aber mehr würde mich interessieren, ob meine Polemik wenigstens ansatzweise nachvollziehbar ist)

  8. Joerg Says:

    @Alex so bin ich 😉 für Aussenstehende: das ist nicht einfach ein Beschimpfung, sondern in einem gewissen Kontext ein beinahe sinnvoller Kommentar.

  9. nora Says:

    Den Frust kann ich nachvollziehen, aber wie man das ganze aus dieser Perspektive betrachten und quasi der Philosophie ‘anlasten’ kann – Polemik hin oder her – versteh ich nicht.

  10. Christoph Says:

    “So richtig Sinn macht Nachdenken erst, wenn die Ergebnisse des Denkprozesses systematisch an der Wirklichkeit getestet werden.”

    alleine diese aussage ist ja bereits eine “philosophische”/wissenschaftstheoretische, deren Gehalt nur mit Methoden und argumentationsweisen beurteilt werden kann, die diejenigen der experimentellen Naturwissenschaften uebersteigen. die im zitat angesprochene position ist eben eine “empiristische,” fuer die es sicherlich gute argumente gibt, aber diese bewegen sich auf einer begrifflichen ebene. dies hat aber ueberhaupt nichts mit hokus pokus und uebersinnlichkeiten zu tun!

    “Aber dann wäre ja nach dem 2. Kommentar die Luft raus und das wäre langweilig, daher: Philosophie war vielleicht mal ein ganz brauchbarer Geburtshelfer für die eine oder andere akzeptable Idee, heute ist sie in erster Linie Schutzpatron von Religion, Esoterik und Beliebigkeit und arbeitet damit gegen die Aufklärung.”

    also, wenn sich das auf die akademische, analytische, Philosophie bezieht, ist es schlicht und ergreifend falsch. sicherlich, es gibt eine “populäre” Philosophie, die von Esoterikern missbraucht wird. aber genau dies trifft auch auf die naturwissenschaften zu! wir sprechen dann von “pseudowissenschaft”. ich schlage daher vor, dass wir ebenso von einer “pseudophilosophie” sprechen sollten. mit Philosophie als akademischer Disziplin, die grundlegende und konzeptuelle fragen, gerade auch in bezug auf Methodologie, Erklärungsansaetze etc. der Naturwissenschaften behandelt, hat diese aber nichts zu tun.

    ich bin eigentlich grosser fan dieser site, bin selbst auesserst kritisch eingestellt gegenüber Esoterik etc. (ja, ich lehne diese absolut ab!) aber diesmal…leider nicht so super.

  11. nora Says:

    danke Christoph 😀

  12. Joseph Kuhn Says:

    @ Christoph: Vermutlich missbraucht die Esoterik sogar mehr die Naturwissenschaften als die Philosophie: Ständig ist die Rede von Quantentheorie, Strahlen, Energie etc. – von Falsifikation, empiristischem Sinnkriterium, Aussagenlogik, kohärenztheoretischem Wahrheitsbegriff etc. hört man bei den meisten Esoterikern nichts.

    @ alex: Philosophisch betrachtet, ist Ihre Aussage ein mereologischer Fehlschluss.

  13. Gefbo Says:

    Also, dann versuch ich hier auch nochmal, zu erklären, was mich an dem Video stört – so rein vom Konzept her:

    Entweder ich sage etwas, wie ich es meine oder ich überspitze eine Aussage krass, dann wird deutlich, dass ich das Gegenteil meine, denn dann führe ich quasi die Gegenposition vor. Du aber überspitzt deine Aussage (Philosophie ist dumm usw.), meinst aber nicht das genaue Gegenteil (Philosophie ist toll), sondern willst das Gegenteil ja relativieren (die Erkenntnismöglichkeiten der Philosophie sind sehr begrenzt und es gibt da einiges, was ziemlich Unsinn ist …oder so ähnlich)- wenn ich das richtig verstanden habe. Das ist ein bisschen so, als würdest du deine eigenen Argumente ad absurdum führen.
    Also ich finde das irgendwie …hm …ungelungen.
    Vielleicht liegt das aber auch nur an mir und ich hab da einen kaputten Sensor für diese Art Ironie?

  14. Jörg W. Says:

    @alle
    überführt, ist sicher nicht mein bestes Video. Dafür führt es wie nur wenige andere davor zu guten Kommentaren. Falls dieses Verhältnis indirekt proportional ist, sollte ich mein Niveau weiter senken 😉
    @Christoph so weit gut auf den Punkt gebracht, beim Punkt mit der Philosophie/Pseudophilosophie bin ich mir allerdings nicht so sicher. Zum Video inspiriert hat mich ein Buch von einem Philosophen – ihr könnt euch anhand des Videos denken, dass ich mit dem Buch nicht so glücklich war. Ich habe in die “akademische, analytische Philosophie” sicher wenig Einblick, finde es aber mutig von dir, sie pauschal vom Vorwurf der heißen Luft und Beliebigkeit frei zu sprechen. Das würde ich mich nicht mal bei der Biologie trauen 😉 Außerdem scheint mir bei Naturwissenschaft die Grenze zur Pseudowissenschaft leichter zu ziehen als in der Philosophie, aber das kann an meinem Kenntnismangel liegen.
    @Gefbo Meines Erachtens siehst du eine Entweder/oder-Situation, wo es keine gibt. Das Video ist kein klares Statement, weder in die eine noch in die andere Richtung. Es ist schwierig einen ambivalenten Standpunkt zuzuspitzen, da führt man dann eben mal die eigenen Argumente ad absurdum. Aber der Mittelteil deines Postings zeigt ja schön, dass du es eh verstanden hast. Du findest es nur nicht besonders gut – das ist dein gutes Recht und du bist damit auch nicht allein.

  15. Gefbo Says:

    @ Jörg W.

    Ah, ok. Dann habe ich für diese Art “nicht-dualistische” Ironie vielleicht auch tatsächlich einfach kein gutes Ohr (deinen Standpunkt zu erfassen, hat mich schon einiges an Mühe gekostet);)

  16. neubauer markus Says:

    der beitrag mag misslungen sein, weil du die philosophie in bausch und bogen verdammst, aber ich kann deine intention nachvollziehen und denke, dass ich sie im wesentlichen teile. insofern möchte ich dich ermutigen, das was dich an der philo stört, beziehungsweise, wie einige philosophie benutzen, um ihre positionen zu immunisieren, weiter zu verfolgen und genauer zu beleuchten.

    dann würde mich sehr interessieren, welchen philosophen du gelesen hast, der dich so verärgert hat?

    und schließlich möchte ich noch einige anregungen für weitere diskussionen anhängen.

    was ist eigentlich die motivation des (sozialen) konstruktivismus und seiner kritik an den erkenntnissen der nawis? zunächst wehren sie sich gegen eine “naturalisierung” von gesellschaftlichen gegebenheiten. ist der überproportional hohe anteil an schwarzen delinquenten in den gefängnissen der usa resultat von einer natürlichen veranlagung zur kriminalität oder ein produkt aus sozialen, ökonomischen, rechtlichen und politischen umständen, die grundsätzlich auch veränderbar sind? “natürlich” würden wir zweiteres annehmen. aber die konstruktivisten verdächtigen viele naturwissenschafter (oder eher ein naturwissenschaftliches arbeiten, die methode), dass jene reflexion auf die sozialen bedingungen zu kurz kommt und ein “konstruiertes” veränderbares soziales faktum als natürliches, unveränderliches faktum begreifen.

    eine weitere quelle sind wissenschaftsgeschichtliche forschungen, die wir heute als pseudowissenschaftlich zurückweisen. kraniometrie etwa, vermessungen des schädels um daraus irgendwelche schlüsse auf den charakter personen oder eines bestimmten volkstypus zu ziehen. oder forschungen zur rassenlehre, mit all den schrecklichen politischen verbrechen, die sich auf diese untersuchungen gestützt haben. auch hier gibt es eine große vorsicht, skepsis bis offene ablehnung gegenüber naturwissenschaftlichen methoden, weil ihr aufgrund jener erfahrungen grundsätzlich misstraut wird.

    klarerweise gibt es dazu sehr viel mehr zu sagen, und eigentlich wollte ich noch auf die heidegger-renaissance verweisen, die zur zeit in der philosophie en vogue ist, und aus mystischer motivation die nawis kritisiert… was dann zu ernstgemeinten appellen führt, eine animistische weltsicht zu vertreten, bzw die homöopathie gut zu finden….

    aber ja, eh schon viel zu viel getextet…du hast pandoras box geöffnet 😉 find ich spannend und ich freu mich auf weitere beiträge!

  17. Joerg Says:

    @Markus danke, das ist ein sehr freundlicher Kommentar 🙂 Und du kannst ruhig jede Menge Text rein stellen, ich weiß, dass es durchaus Interessierte gibt, die sich das durchlesen – und damit meine ich nicht nur mich. Eigentlich würde mich sogar ein Gastkommentar von dir freuen, das Problem bei meinem Blog ist natürlich, dass es ein Video sein müsste. Aber falls du das gerne machen würdenst – > jederzeit!

  18. Joerg Says:

    ach so, das Buch: “Warum wir philosophieren müssen” von Scobel. Ich muss eine Rezension darüber schreiben, die wird übrigens nicht nur negativ -aber auch ;-).

  19. Christian M. Says:

    Also ich fand das Video sehr gut, bringt doch seinen Punkt klar und sehr direkt rueber (wenn man davon ausgeht, dass Joerg die “Errungenschaften” vergangener Philosophen bekannt sind). Ich bin ein an der Philosophie interessierter Laie, aber diesen “das mystische Mysterium wird immer mysteriöööööser” Strömungen kann ich nicht viel abgewinnen.
    Scobel (den alten Klugscheisser) seh ich eigentlich recht gerne, allerdings eiert der schon ganz gerne mal rum, kann mir gut vorstellen, warum der dieses wie gesagt sehr unterhaltsame Video ausgeloest hat.

  20. Alex Says:

    Sie hatten Zweifel an der Philosphie (welcher auch immer), philosophierten über Philosophie und kamen zu dem Ergebnis, dass Philosophie dumm ist. Da Sie nun aber aufgrund des Nachdenkens und Philosophierens zu dieser Erkenntnis kamen, kann doch Philosophie gar nicht so dumm sein. Nicht wahr? Im Grunde ist dieser ganze Beitrag ein logischer Widerspruch. 🙂

  21. Eine echte Majestätsbeleidigung: Das Zelebrieren heißer Luftblasen oder warum Philosophie zur Zeit recht nutzlos ist | Der Nesselsetzer Says:

    […] hat mit einem hier am Ende des Artikels eingebetteten polemischen Kurzvideo unter dem Titel “Philosophie ist dumm“, in dem er teils ironisch herbe Kritik an dem Stillstand und dem Mißbrauch dieser Disziplin […]

  22. Pedalritter Says:

    Da gebe ich doch glatt auch noch ungefragt meinen Senf dazu:

    Mir als Naturwissenschaftler durch Mark und Bein war die Philosophie auch lange Zeit suspekt. Allerdings wird jeder naturwissenschaftlich ausgebildete, der nicht nur “paper-handwerker” ist, sondern seine Neugier und sein Fach ernst nimmt, fast zwangsläufig früher oder später mit der Nase an philosophische Fragestellungen gedrückt, was oft eine ambivalente Einstellung zu dem Fach bewirkt.
    So auch bei mir. Ich kann Jörg einerseits gut verstehen, für einen faktengewohnten Nawi klingen viele philosophische Gedankenspielereien erst mal nach willkürlicher, völlig subjektiver wenig systematischer Kaffeesatzleserei, die in seiner selbstgenügsamen Hirnwixerei nie zu einem Ziel -nämlich einer nachvollziehbaren Erkenntnis, die über den Status einer “Meinung” hinaus gehen würde- kommen kann.

    ABER:

    Andererseits muss ich sagen, dass meine Wertschätzung der Philosophie mit zunehmender Beschäftigung mit ihr stark zugenommen hat. Nicht nur, dass man recht bald erkennt, dass “die Philosphie” ein sehr heterogenes Feld ist, indem eben auch nicht jedes Produkt dasselbe Niveau hat (bekanntlich klappt das ja nicht mal bei Jörgs Videos 😉 ) sondern auch, dass grundlegendes Fundament der Naturwissenschaften natürlich aus der Philosophie stammt, die ja früher nie von den restlichen Wissenschaften getrennt war. (Formale “Logik” gibt es nicht erst seit einem Nature- Paper). Ich sehe sie heute auch als eine Beschäftigung (ich sage absichtlich nicht Wissenschaft) mit großem Potential in einem Bereich, den Naturwissenschaften leider immer weniger bedienen (können).

    Überblick.

    Sich themen- und fächerübergreifend Gedanken über die Bedeutung von neu gefundenen Fakten der verschiedensten Teilbereiche zu machen, sie zu interpretieren, zu ordnen und ihre Bedeutungen und Implikationen zu bedenken… wer soll das bitte sonst tun? Die Kirche?? Um “Gottes” willen! In jedem Ethikrat möge bitte jeder Theologe gegen einen (naturwissenschaftlich belesenen) Philosophen getauscht werden.

    Allerdings scheinen mir bis dato noch recht wenige Philosophen geeignet für diese Aufgabe, da eine Voraussetzung dafür eine eingehende Beschäftigung mit den Naturwissenschaften ist. Aber es gibt sie durchaus. Und die haben dann auch häufig was Fundiertes zu sagen, bei dem sich das Zuhören für jeden Naturwissenschaftler lohnt.
    Ich habe insofern meinen Frieden mit der Philosophie gemacht, ignoriere das gelegentliche selbstgefällige, unnötig verkomplizierende und naturwissenschaftliche Fakten gegenüber ignorante Gequatsche und freue mich an immer wieder auftauchenden Erkenntnissen und Blickwinkeln, auf die ich selbst in der Form nicht gekommen wäre.
    Wie so oft hat wie ich glaube die Mischung Charme. Philosophie hat ohne Naturwissenschaft sehr wenig “Futter”, Naturwissenschaft ohne Philosophie mitunter wenig intellektuelle Bedeutung.

    Und für esoterischen Müll kann man die Philosophie natürlich genauso gut missbrauchen wie die Naturwissenschaft.

    Im Besten aller Fälle kann die Beschäftigung mit der Philosophie aus einem intelligenten (natürlich nicht nur-) Naturwissenschaftler einen “weisen” Menschen machen.

    Sonnig,
    PR

  23. Joerg Says:

    @Pedalritter
    sehr schöne Abhandlung. Wie du dir vorstellen kannst, ist der Text in einem Zustand entstanden, in dem ich meinen Frieden mit der Philosophie gerade nicht hatte.

  24. Felix Says:

    @Pedalritter
    Ich stimme deinen Ausführungen zu und glaube auch, dass die Philosophie die Zusammenschau und Einordnung der unentwegt produzierenden Naturwissenschaften leisten muss. Wir haben schlicht keine andere geeignete Instanz dafür.
    Hast du möglicherweise Literaturvorschläge für naturwissenschaftlich gebildete Menschen, die philosophisch interessiert sind, ohne tiefergehende Philosophiekenntnisse zu besitzen.

  25. pedalritter Says:

    @Felix:
    Ich bin sicher es gibt hier ausgebildete Philosophen, die geeigneter wären, dir Literaturhinweise zu geben als ich. Aber als Überblick fand ich “Die Philosophie der Aufklärung” von Ernst Cassirer ganz gut. Die Aufklärung als (nicht statt gefundener?) Prozess ist schließlich für jeden NaWi bedeutsam.
    Aktuell lohnt sich mit Sicherheit auch ein Blick in Bücher von Michael-Schmidt- Salomon (allen voran das “Manifest des evolutionären Humanismus” und “Jenseits von Gut und Böse”), auch wenn manch “professionelle” Philosophen die Nase rümpfen, weil er zu poppig daher kommt. Aber wenn die Qualität nicht leidet ist es genau das, was der Zunft sonst sehr fehlt.
    Daniel Dannett und auch A.C. Grayling sind auch spannend und für Naturwissenschaftler gut verdaulich. Es gibt natürlich auch viele andere und Geschmäcker sind ja verschieden. Ich bin sicher, andere hier sehen das anders, aber du hast ja mich gefragt.
    Als Einstieg würde ich jedenfalls Schmidt-Salomon empfehlen.
    Lg,
    PR

  26. Felix Says:

    @ pedalritter
    Vielen Dank für die Antwort.
    Das Manifest von Schmidt-Salomon habe ich schon gelesen und es war für mich zunächst durchaus eine Offenbarung. Inzwischen ist es mir einfach zu sehr gegen Kirche und Religion gerichtet, statt die eigene Sache darzustellen.
    Und diese beiden Dinge sind ja nicht nur schlecht, jedenfalls finden vielen Menschen sie hilfreich, um das Leben zu bewältigen. In der “Trost-Funktion” sind Kirche und Religion für viele Menschen unverzichtbar. Was natürlich nichts über ihren Wahrheitsgehalt sagt.
    Das ist so wie mit Esoterik. Wir wissen, dass nichts dran ist, trotzdem finden viele Menschendarin etwas, was ihnen vermeintlich oder tatsächlich (auf jeden Fall subjektiv) hilft, das Leben zu bewältigen.

  27. betlamed Says:

    Aristoteles, Sokrates, Kant, Heidegger und Wittgenstein pauschal zu verwerfen, ist schon ziemlich gewagt; es gibt durchaus Bereiche, in denen rein metaphysisches Denken recht gut funktioniert – etwa die formale Logik. Und es gibt Bereiche wie die Soziologie oder die Ethik, in denen wir naturwissenschaftlich einfach noch nicht so weit sind, trotzdem aber Arbeitshypothesen brauchen – da bleibt uns im Moment nichts anderes übrig, als Metaphysik zu treiben.

    Man soll sich halt immer bewusst bleiben, dass es sich um reine Spekulationen handelt (was, zugegebenermaßen, auch die größten DenkerInnen fast nie hinbringen).

    Mir wurde Philosophie auch nie anders präsentiert denn als eine große Reihe von großen Denkgebäuden, von denen keines per se richtig ist. Und solange es dabei bleibt, ist ja nichts dagegen zu sagen.

  28. Elvenpath Says:

    Philosophie ist für den Bereich des menschlichen Zusammenlebens, der Gesellschaft, der Selbstfindung und ähnlichem, eine schöne Sache.

    In allen anderen Bereichen ist Philosophie wirklich dumm und liefert keine brauchbaren Ergebnisse.

    Auf keinen Fall sollten Philosophen versuchen, zu erklären, wie das Universum funktioniert, wie Bewusstsein bei Lebewesen entsteht etc.
    Kurz: Mit Philosophie (oder Theologie) Fragen lösen zu wollen, die in die Naturwissenschaften gehören, ist Scharlatanerie und Unfug.

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