Katzen gegen Gott

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Katzen gegen Gott

Das Video lenkt vermutlich nur ab, daher hier der Text:

Das Theodizee Problem ist ungelöst.
Ohne philosopisch allzu weit auszuholen, hier das Problem: Wenn Gott gut ist und allmächtig, warum gibt es dann Leid? Für eine erste Annäherung könnt ihr ruhig den Wikipedia Text zu Theodizee lesen, ist echt spannend welche absurden Rechtfertigungen da unter anderem auftauchen. Ich erlaube mir hier die Zuspitzung – mit einem, zugegebenermaßen grausigen, Bild: Stellen sie sich einen Menschen vor, der eine nette kleine Katze zur Hand nimmt, ihr den Bauch aufschneidet, dafür sorgt, dass sich die Wunde infiziert und sie dann jämmerlich verrecken lässt. Haben sie das Bild? Und dann stellen sie sich vor, dieser Mensch macht das dauernd, mit unzähligen niedlichen Kätzchen. Könnten sie diesen Menschen als gut bezeichnen?

Gott, so es ihn gibt, hat über Millionen von Jahre einen Großteil seiner Zeit mit der ausgeklügelten Folter von empfindungsfähigen Lebewesen verbracht – und dabei weitaus Schlimmeres mit Tieren aller Art angestellt als dass, was wir uns eben ausgemalt haben. Infektionen, Parasiten, Geburtsfehler, Nahrungskette, Verletzungen,…und das alles lange bevor die Menschheit auf dem Planeten aufgetaucht ist. Wir können dieses Böse also nicht auf uns Menschen laden und sagen, dass passiert eben, damit wir einen freien Willen haben.
Also ganz ernsthaft: Wenn Gott gut ist, warum war er dann über Millionen von Jahren der ausführlichste und grausamste Tierquäler, den man sich nur ausdenken kann?

PS: Warum komm ich bei all dem Leid das es so gibt ausgerechnet zu den Tieren? Weil ich bezüglich menschlichem Leid schon gelegentlich mit einem simplen Vorwand abgespeist wurde: Erbsünde und freie Wille wären die Wurzeln des menschlichen Leids und Gott somit schuldlos. Das ist meiner Einschätzung nach zwar schwachsinnig, aber einigen religiösen scheint das als Erklärung zu reichen. Und von denen will ich wissen: warum die Tierquälerei?

7 Responses to “Katzen gegen Gott”

  1. Michael Blume Says:

    Auch mir ist keine theologisch völlig überzeugende Antwort auf die Theodizee-Frage bekannt – am Ende bleibt es (schon seit Hiob) eine Frage des Vertrauens.

    Philosophisch spannend ist, dass dann ohne Gott die Anthropodizee-Frage aufbricht: Warum sollte es überhaupt noch Menschen geben, wo es doch kein Gebot und höheres Ziel gibt, letztlich doch jedes Menschenkind Leid erleben und verursachen wird? Noch keiner nichtreligiösen Weltanschauung ist dazu eine allgemein überzeugende Antwort gelungen.

    Und so ringen Theisten mit der Theodizee und Nicht-Theisten mit der Anthropodizee. Der Beobachter schaut fasziniert.

  2. Felix Says:

    Wenn die Evolutionstheorie stimmt, und ich habe keinen Zweifel daran, dann ist die Warum-Frage sinnlos. Es ist halt passiert, niemand plante es, niemand wollte es – verschüttete Milch, sonst nichts!
    Das Problem der meisten Menschen ist, dass sie sich viel zu viel Bedeutung zumessen. Sie glauben, sie sind der Mittelpunkt des Universums, ja dasUniversum existiere wegen ihnen.
    In Wirklichkeit sind sie aus der Sicht des Universums schlicht: Nichts!
    Mit dieser Erkenntnis können sich viele nicht abfinden und konstruieren bzw. phantasieren sich einen Sinnzusammenhang: Das Ergebnis kennen wir: Religionen. Viele brauchen sie, um der Realität des Lebens nicht ins Auge schauen zu müssen. Lasst sie ihnen, solange sie sich ordentlich benehmen. Das machen sie freilich nicht immer, wie sich derzeit wieder täglich besichtigen lässt.

  3. Michael Blume Says:

    Als die nicht- bzw. antireligiösen Ideologien noch stark genug waren, haben sich deren Anhänger aber auch nicht “benommen”, @Felix…

    Auf jeden Fall haben mich Jörgs Video und Twitter-Einladung zu einer Blog-Antwort motiviert. Danke dafür! 🙂
    http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/wenn-gott-leid-menschen-von/

  4. Felix Says:

    @ Blume
    Falls Sie die totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts meinen, so sind diese Geschichte. Sie hatten aber auch quasireligiöse Züge, wobei eine der beiden, nämlich die Nazis, sich jedenfalls explizit auf das Göttliche beruffen.
    Noch expliziter und ausdrücklicher machen das freilich derzeit die sich auf den Islam beziehenden Gruppierungen und Staaten, allen voran der IS. Deshalb sollte man immer dort, wo sich Menschen auf Gott berufen schnell das Weite suchen. Ich jedenfalls möchte in keinem Gottesstaat leben. Nirgends geht es grausamer zu. Auch das scheint ihn nicht zu stören, jedenfalls lässt er das Bodenpersonal wie weiland in Auschwitz ungerührt gewähren.

  5. Michael Blume Says:

    @Felix

    Ja, ich habe erst neulich ein ganzes Buch zum Thema religiöser Fundamentalismzs und Extremismus geschrieben, mit ausführlichen Beispielen aus allen fünf Weltreligionen.

    Zugleich haben Sie den empirischen Befund aber eben auch gestreift, als Sie richtig bemerkten, die nichtreligiösen Ideologien “sind Geschichte”. Religiosität entfaltet eben ein großes soziales und auch demografisches Potential, das zu freundlichen wie auch üblen Zwecken gedreht werden kann. Darauf wollte ich nur kurz hinweisen, ist halt mein Forschungs- und Lehrthema.

    Beste Grüße, schönes Wochenende!

  6. Niki Says:

    Nachdem ich Katzen noch nie leiden konnte muß ich sagen, dass mir ein katzenquälender Allmächtiger das Potential zu haben scheint, als bisher einzige sympathische Gottesfigur in meine (!) Geschichte einzugehen. Ich gehe hiermit davon aus, das bisherige Tierleid war schlicht notwendig, Katzencontent im Internet nicht völlig außer Kontrolle geraten zu lassen.
    😉
    Dumm nur, dass diese Gottheit auch in diesem Punkt vollständig versagt hat 🙂
    Gruß,
    Niki, heute ironisch

  7. Elvenpath Says:

    @Blume:

    Das ist eben der Unterschied zwischen “hinreichend” und “notwendig”.
    Für eine friedliche Gesellschaft ist die Entmachtung der Religionen notwendig, aber nicht hinreichend. Es gibt auch andere Ideologien, die gewalttätig sind.
    Als Beispiele die nazistische Rassenideologie (die mit ihrem Judenhass allerdings teilweise der christlichen Religion entspringt) und die kommunistische Klassenideologie, die tatsächlich mit Religion nichts zu tun hat, außer dass sie deren Vertreter als Feind der arbeitenden Klasse sieht.

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