Diskussionszerstörer: Teil 3: Beweis doch mal…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars


Diskussionszerstörer: Teil 3: Beweis doch mal…

Russells Teekanne

Das erwähnte Posting in seinem natürlichen Umfeld:

“Mein erstes Leben” Die RTL-Nonsens-Show

Teil 1: Galileo Gambit

Teil 2: Informier dich erst mal…

Text:

Gute Nachrichten für alle Gläubigen – ganz egal woran sie glauben:

Sie können nicht unmittelbar widerlegt werden!

Die andere gute Nachricht wäre dann noch, dass sie vermutlich immer der Mehrheit angehören werde, aber daran will ich gerade nicht denken.

Ein Kommentar aus einem Blog: „Ihr lieben Skeptiker…BEWEIST doch einfach SCHWARZ AUF WEISS, dass es all diese Dinge NICHT gibt.“

In meiner Wohnung lebt ein Klon von Selma Hayek, den allerdings nur ich wahrnehmen kann. Beweis mir doch mal das Gegenteil!

Hm- vielleicht sollte ich es mit dem bekannteren Beispiel versuchen:

Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können.“

Bertrand Russell, 1952

Nicht-Existenz kann nicht bewiesen werden – das ist die gute Nachricht für die Gläubigen. Die schlechte Nachricht ist: Muss sie auch nicht. Denn:

Wer Behauptungen aufstellt, ist in der Beweispflicht. Wenn Sie behaupten jeden zweiten Nachmittag auf ihrem unsichtbaren Einhorn auszureiten, ist es nicht mein Job das zu widerlegen. Es ist ihr Job, das zu beweisen. Vorausgesetzt Sie wollen, dass ihnen jemand glaubt.

Behauptungen ohne Belege sind wie Versprechen von notgeilen Männern – völlig wertlos.

Erwarten Sie bitte keine Gegenbeweise, wenn kein Beweis vorliegt. Erwarten Sie keine letztgültige Widerlegung für jede Absurdität, wie beispielsweise Gott, Reinkarnation oder orbitale Teekannen. Niemand kann beweisen, dass es diese Dinge nicht gibt – aber es gibt einfach keinen Grund anzunehmen, dass es sie gibt.

16 Responses to “Diskussionszerstörer: Teil 3: Beweis doch mal…”

  1. Herbert Huber Says:

    Servus,
    ob immer derjenige, der Behauptungen aufstellt, in der Beweispflicht ist, bezweifle ich. Nimm mal einen Experten, dem nimmt man oft auch eine Behauptung schon aufgrund seiner Kompetenz ab.
    Ich stimme allerdings der schwächeren These zu:
    Wer Existenz-Behauptungen aufstellt, trägt die Begründungslast.
    Noch etwas: in bestimmten Bereichen kann man sehr wohl die Nicht-Existenz von etwas beweisen. Beispiel: Ich kann ziemlich schnell beweisen, dass es eine größte Primzahl nicht gibt.

  2. cydonia Says:

    @Herbert
    Vielleicht ist er nicht in der Beweispflicht, aber wenn er beispielsweise mit mir diskutiert, dann nehme ich ihn in die Pflicht! Als Methode ist das gar nicht schlecht und auch durchführbar.
    Und was die Experten anbelangt: ich nehme niemandem eine Behauptung einfach so ab. Jedes Argument wird überprüft, egal von wem es kommt. Ich muss nur wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Physiker zu physikalischen Themen einige bedenkenswerte Dinge zu sagen hat recht groß ist. Wenn aber Einstein etwas über Bienen gesagt hätte, wäre das nicht von besonderer Relevanz, denn er war ja kein Entomologe.
    Vieleicht das nächste Diskussionszerstörerthema, Jörg? “Einstein (Planck, Jesus, …) hat gesagt, dass Tomatensoße besonders lecker schmeckt, wenn…”
    So, ich muss jetzt kochen! Servus!

  3. Joerg Says:

    @Herbert
    Natürlich ist Beweispflicht relativ, jeder darf natürlich wild vor sich hin behaupten, es führt halt zu nix- egal ob Experte, Priester oder sonst wer.
    Zur Pirmzahl: Hilfe, was mathematisches! Bin da kein Experte und beziehe da zur Abwechslung mal nicht Stellung 😉
    @Cydonia
    Mahlzeit!

  4. Michael Says:

    Primzahlen sind aber kein Gegenstand von empirischen Wissenschaften. Dass es keine größte Primzahl gibt, das ergibt sich schon aus der Definition einer Primzahl. Insofern hinkt der Vergleich an dieser Stelle.

  5. Stef Says:

    Schöner blog.

  6. Herbert Huber Says:

    @cydonia
    “Und was die Experten anbelangt: ich nehme niemandem eine Behauptung einfach so ab.”
    Da ziehst du dich mit dem einfach so einfach so aus der Affäre. Wenn ich z.B. einen Verkehrsunfall habe und der Notarzt sagt: “Nicht bewegen, Ihr xy ist gebrochen” entgegne ich nicht: “Sie behaupten etwas und haben jetzt die Beweispflicht. Bis die nicht erfüllt schere ich mich nicht um Ihre Behauptung.”
    Ich gebe da dem Experten einen Vorschuss.
    Dagegen muss man die Beweispflicht für Nicht-Existenzbehauptungen sogar rigoros ablehnen und kann es vernünftigerweise sogar.
    @Joerg
    Ich meine nicht, dass die Beweispflicht relativ ist. Wer die Existenz von Gnomen oder Engeln oder … behauptet hat die Belegpflicht.
    @Michael
    Wer hat den bisher die Einschränkung auf empirisch gemacht? Ich argumentierte gegen die Aussage:
    “Nicht-Existenz kann nicht bewiesen werden”. Das stimmt eben so nicht.
    Außerdem arbeitet die Einschränkung auf Empirisches manchem Geisterbehaupter entgegen: er sagt einfach: “Na klar, das sind transzendente Objekte, die kannst du mit deiner eingeschränkten empirischen Methoden nicht erfassen!”
    Deshalb ziehe ich es vor: Ohne Einschränkung: Wer die Existenz von X behauptet, hat die Begründungspflicht.
    Da halte ich es mit Bernulf Kanitscheider: Der starke Naturalismus sieht die Begründungslast für Existenzbehauptungen bei demjenigen, der sie aufstellt. Bis dahin gilt: Transzendentes gibt es nicht (Die Materie und ihre Schatten, S. 70-71).
    Die “Ausrede”, Götter und Engel seien nix Empirisches gilt nicht.

  7. DerEsoteriker Says:

    @HerbertHuber

    Noch konkreter.: Wer die Existenz von X als einzig wahr behauptet, verpflichtet sich zwangsläufig zu einem wiederholbarem Nachweis.

    Kürzlich meinte jemand: Wissenschaft kennt lediglich den aktuellen Stand; ist also nie vollkommen bzw. endgültig.

    Selbst wenn es eine uns übergeordnete Autorität wie Gott tatsächlich gibt, kann sie sich selbst eventuell auflösen. Wir haben keine Informationen darüber, welche Skills vorhanden sind.

    Vielleicht war ja mal ein Gott da – temporär. Fragezeichen lassen sich ausserdem politisch schlecht verkaufen; Menschen suchen bildhaft Ausrufezeichen; brauchen eine “Krücke” um Halt (Sinngebung) zu finden.

    Wir – also Du, ich, Joerg, Michael und andere können trotz Unterschiede (Atheist, Philosoph, Esoteriker) mit dem Zweifel und den Fragezeichen leben. Ich kann Dir aber versichern, dass es ernsthaft viele Menschen gibt, welche diesen Zustand innerlich nicht aushalten. Für sie ist der Glaube gemacht …

    Offtopic

    Suche esoterischen, atheistischen oder philosophischen Erklärbär. Kann ein Mensch 24 Stunden am Tag alles reflektieren? Psychotechnisch nicht möglich oder doch?

  8. Joerg Says:

    Mit den Fragezeichen leben können- gefällt mir 🙂
    Nein, 24/7 Reflexion können nur Spiegel 😉
    Macht aber nix, wir diskutieren ja auch nicht durchgehend; ich laufe beispielsweise gerne zwischendurch Bällen hinterher…

  9. Herbert Huber Says:

    @ DerEsoteriker
    1) Ich stimme dir (sogar abgeschwächt = erweitert) zu:
    Wer die Existenz von X behauptet, hat die Belegpflicht.
    2) Dass die Wissenschaft nur den jeweiligen aktuellen Stand darstellt ist eine Binsenwahrheit.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das mit dem Fragezeichen richtig verstehe.
    Ich kann mich mit agostischen Positionen (ist das dein Fragezeichen?) nicht anfreunden.
    Ich finde es falsch zu sagen: Ich bin mir unsicher ob auf dem Sirius ein Doppelburger liegt. Ich habe diese Behauptung weder belegen noch widerlegen. Daher: Fragezeichen.
    Meine Position: Existenzbehauptungen stehen in der Belegpflicht („burden of proof“). Die Begründung dafür ist vielfältig.
    a) Ich finde es z.B. haarsträubend zu bekennen, ich bin unsicher, ob es die eierlegende Wollmilchsau gibt. Daher Fragezeichen.
    b) Nicht-Existenzbehauptungen sind – wenn überhaupt – sehr schwer belegbar. Um die Ontologie nicht unnütz aufzublähen gilt von Haus (by default) aus: X gibt es nicht, solange keine Belege dafür angeführt werden.
    c) Solange der Existenzbehaupter seiner Belegpflicht nicht ausreichend nachgekommen ist, gilt: X gibt es nicht.
    Also: UFOs gibt es nicht. Gnome gibt es nicht. Russells Teekanne außerhalb der Erde gibt es nicht. Punkt (kein Fragezeichen). Gibt es nicht verhindert nicht, dass diese Objekte z.B. in SF-Romanen vorkommen oder in der Oper etc.

  10. Herbert Huber Says:

    Zwei Korrekturen:
    1) “agnostischen Positionen”
    2) “Ich kann diese Behauptung weder belegen noch widerlegen”
    3) “… ich bin unsicher, ob es die eierlegende Wollmilchsau gibt. Daher Fragezeichen.”
    Der Zusatz “Daher Fragezeichen” ist noch Teil der agnostischen These gegen die ich argumentiere. Ich selbst setzte hinter die eierlegende Wollmilchsau kein Fragezeichen. Es gibt sie nicht! Ausrufezeichen.

  11. Herbert Huber Says:

    Es waren drei Korrekturen 😉

  12. S. Lauffer Says:

    Stimmt. Nicht Messbares, Dinge ohne Eigenschaften und Auswirkungen, können nicht gemessen werden. Viele koppeln Ihren Gott/Götter jedoch an Eigenschaften wie z.B. allmächtig und lieb. Darauf kann man dann doch recht leicht antworten, z.B. mit dem Hinweis auf den evolutionären Pfusch und das viele Elend in der Welt.
    Tipp: http://gbs-reutlingen.de/doku.php?id=wissen:kreationisten#allgegenwaertiger_evolutionaerer_pfusch

  13. Die Physik und der Weihnachtsmann | gwup | die skeptiker Says:

    […] Jörg Wipplinger setzt sich in seinem Video-Blog Die Wahrheit mit dem “Diskussionszerstörer”-Argument “Beweis doch mal […]

  14. Skeptiker-Radar – 3/2010 | RelativKritisch Says:

    […] kurzen aber prägnanten Videoclips von Wipplinger, Galileo-Gambit, “Informier dich erst Mal!”, Beweis doch mal…, Idioten und Finale eignen sich nicht nur zum Nachschauen, sondern auch zum entspannten Verlinken, […]

  15. diewahrheit.at » Blog Archive » Diskussionszerstörer, Teil 5: Finale Says:

    […] Teil 3: Beweis doch mal… […]

  16. diewahrheit.at » Blog Archive » Diskussionszerstörer: Teil 4: Idioten Says:

    […] Teil 3: Beweis doch mal… […]

schreib einen Kommentar