Das Gute im Impfgegner

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Das Gute im Impfgegner

Impfen ist eine des sinnvollsten medizinischen Errungenschaften, Millionen von Menschenleben wurden damit gerettet.

Impfgegner tragen mit ihrer Desinformation dazu bei, dass besiegbare Krankheiten zurückkehren und Menschen sinnlos sterben. Das ist tragisch.

Trotzdem sind Impfgegner nicht grundsätzlich schlechte Menschen, denn was ich ihnen – also den meisten von ihnen – tatsächlich glaube ist:

Sie wollen das Beste für ihre Kinder.  Sie machen sich wirklich Sorgen und bemühen sich wirklich das Richtige zu tun.

Obwohl also letztlich Kinder wegen Ihnen sterben, halte ich sie nicht für kindermordende Monster, sondern für besorgte Eltern, die mit alle ihrem Engagement darum kämpfen, das möglichst viele Menschen das tun, was ihrer Meinung nach richtig ist. Nämlich nicht impfen.

Ich glaube quasi an das Gute im Impfgegner.

Umgekehrt ist das nicht so. Aus Sicht der Impfgegner scheinen Impfbefürworter tatsächlich kindermordende Bestien zu sein. In deren Weltbild sind alle Ärzte, alle Forscher in Pharmabetrieben und alle impfbefürworteten Journalisten skrupellose Verbrecher, die bewusst für Geld das Leid und den Tod von Kindern in Kauf nehmen.

Das ist ziemlich beleidigend. Es unterstellt auch mir ganz persönlich, dass ich mich nicht einsetze, weil ich Impfen für richtig halte, sondern weil ich gierig bin und dafür sogar das Töten von Kindern gutheiße.

Und es ist ein unglaublich paranoides Weltbild – mit furchtbaren Konsequenzen, letztlich auch für die Impfgegner selber: Wollt ihr wirklich in einer Welt leben, in der ihr davon ausgehen müsst, dass Ärzte, Forscher, Pharmabedienstete- das die alle so grausam sind, dass sie für ihren Lebensunterhalt bewusst in Kauf nehmen, dass sie eure Kinder töten? Wenn ihr das wirklich glaubt, traut ihr euch dann überhaupt noch vor die Tür?

Ich glaube Impfgegner wollen das Beste für ihre Kinder und ich bin ziemlich sauer, wenn diese Impfgegner mir nicht die gleiche Motivation abnehmen – sondern mich lieber für einen skrupellosen Mörder halten.

5 Responses to “Das Gute im Impfgegner”

  1. Joerg Says:

    Sorry für den Ton, das Mikro ist für draußen wohl nicht geeignet

  2. Roman Says:

    Mal wieder ein Gedanke auf den ich gern selbst gekommen wäre. Trotzdem Punktabzug für das Video wegen fehlender Katze.

  3. Joerg Says:

    @Roman
    verdammt, ich bin jetzt also zur Katze verpflichtet. Werde es mir merken.

  4. Whisker Says:

    Ad “Ich glaube quasi an das Gute im Impfgegner”:

    Naja, das Problem ist dabei allerdings, dass nicht wenige Menschen zu den größten Grausamkeiten fähig waren (und sind), _gerade_ weil sie denken, sie wären “gut” und täten “das Richtige”.
    Ich riskier jetzt einfach mal, dass eventuell irgendjemand Godwin’s Law herauskramt: Die Nazis dachten auch, was sie tun wäre gut und richtig, aber die Folgen davon waren verheerend.

    Insofern greift diese Aussage meiner Meinung nach leider deutlich zu kurz.
    Denn es reicht eben bei weitem nicht aus, “gut” sein zu wollen, sondern man darf dabei nicht außer Acht lassen, welche Methoden jemand dafür anzuwenden bereit ist.
    Sonst landet man schnell auch wieder z.B. bei obsoleten Erziehungsmethoden, bei denen körperliche Gewalt gegenüber Kindern mit faulen Ausreden wie “ich will ja nur dein Bestes” zu rechtfertigen versucht wird.

  5. Jörg W. Says:

    @Whisker
    sehr guter Punkt. Es gab mal eine ziemlich vergebliche Diskussion zwischen Sam Harris und Noam Chomsky, bei der Chomsky in etwa deinen Punkt vertreten hat: Er ist da ziemlich radikal, für ihn spielt bei moralischen Fragen die Intention überhaupt keine Rolle mehr, er beachtet nur noch das Ergebnis bzw. die Handlung selbst. Konkret ging es darum, dass die Amerikaner bei einem Bombardement eine Medikamentenfabrik zerstört hatten. Sam Harris verteidigt die Amerikaner, da es ja keine Absicht gewesen sei. Chomsky zählt nur das dadurch ausgelöste Leid und verurteilt daher die Amerikaner. In diesem speziellen Fall finde ich es heikel, aber es hat mich schon auch zum Nachdenken gebracht – denn jeder hält sich für den Guten, egal was für schlimme Dinge er tut. Ev. ist die Intention daher tatsächlich zu vernachlässigen.
    Dennoch finde ich es interessant, dass Impfgegner anderen nicht einmal eine gute Intention zutrauen, sondern sie vorab als käufliche Monster kategorisieren.

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