Brigitte, Esoterik und ich

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Brigitte, Esoterik und ich

Ich schicke den Link zum Video auch an Brigitte und bin sicher, dass Brigitte dann eine Coverstory über mich bringt!

Text:

Liebe Brigitte,

ich freu mich, dass ihr demnächst eine Coverstory über mich bringt! Es ist nämlich so: ich habe hier auf meinem Sofa zwei Geister sitzen. Einer ist für meine Rückenschmerzen verantwortlich, der andere zerwühlt immer die Wohnung – darum sieht es hier so aus. Hauptberuflich bin ich kein Spinner, aber gelegentlich mache ich Rückführungen als ungewöhnliche Art Idioten zu verarschen. Das Geld sehe ich dann immer in luzider Klarheit vor mir. Das hier ist mein Draht ins Jenseits. Im Übrigen gelte ich als einer der besten Astrologen Österreichs.  Ich praktiziere eine humanistisch, psychologische Astrologie, meine Kunden merken also kaum, dass ich vollkommenen Müll rede. Meine astrologischen Vorhersagen haben bisher noch immer gestimmt. Und da sie Esoterikern ja keine kritischen Fragen stellen, werden Sie nicht merken, dass ich noch nie eine astrologische Vorhersage gemacht habe. Ich kann das übrigens auch als Mann, auch wenn Ihre Starastrologin meint „Frauen sind einfach mutiger und besser angeschlossen an ihre verdeckten Sehnsüchte als Männer.“

Ich habe guten Zugang zu meinen versteckten Sehnsüchten und würde sehnsüchtig gerne wissen – wie um alles in der Welt kommt es zu so einem Dossier? Die Frage am Cover „echte Hilfe oder echter Quatsch“ wird im Heft nicht einmal gestreift. Stattdessen durften sich zwei Eso-Anbieter selber Werbetexte schreiben, eine Anbieterin wurde interviewt, natürlich ohne kritische Fragen und ein seichter Einstiegsartikel stört die rosa Wölkchen auch nicht weiter.

Bitte Brigitte – still meine Sehnsucht und erklär mir, ob so mieser Journalismus aus Angst vor den Leserinnen entsteht oder aus spirituellen Gründen! Dann dürft ihr vorbei kommen und eine Coverstory über meine Engel, Geister und meinen Draht ins Diesseits schreiben.

 

7 Responses to “Brigitte, Esoterik und ich”

  1. rolak Says:

    Na das ist ja geradezu freundlich formuliert… Nu, vielleicht erhöht es die Chance auf eine Antwort ein wenig.

    Sehr schön die sprachlich-schriftliche Ausgewogenheit bei den Eso-Anbietenden 😉

  2. Joerg Says:

    @rolak freundlich? verdammt, meine gute Sozialisierung schlägt durch, ich muss wieder an meinen Schattenseiten arbeiten.

  3. rolak Says:

    an meinen Schattenseiten arbeiten

    ‘Freundlich’ und ‘freundlich formuliert’ sind ja nicht synonym – auch ein Treffer mit dem verzuckerten Holzhammer ist schmerzhaft…

  4. Jörg W. Says:

    “verzuckerter Holzhammer”…gefällt mir :-), werde ich wohl mal verwenden müssen (sowohl die Methapher als auch das Werkzeug)

  5. Roman Says:

    Hi Jörg,
    ich versuche mittlerweile Eso-Kram, Kirche und Hundekacke zu ignorieren. Dreck erkennen, wegschauen, umgehen und an was anderes denken. Es gelingt ganz gut und man ärgert sich weniger. Auch die ganzen Skeptikerschriften wiederholen sich ohne Erkenntnisgewinn. Bei Dir schaue und höre ich trotzdem gerne genau hin – die Lacher sind es echt wert. Danke.
    Viele Grüße aus dem Odenwald.
    Roman

  6. Jörg W. Says:

    Hi roman, freut mich, wenn ich noch gelegentlich was bringen kann, was einen Blick wert ist. Aber du hast Recht, wenn man eine Zeit lang in der Richtung aktiv ist wiederholen sich die Dinge und man verliert ein wenig das Interesse. Hoffe ich finde noch ein paar spannende Zugänge.

  7. tannu Says:

    @Roman Wo ist bei den ersten beiden der Unterschied?

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