Atheismus ist keine Religion

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Atheismus ist keine Religion

Diskussionen gewinnen durch erfundene Probleme

Wer einer Ideologie oder einem Glaubenssystem anhängt, dass nicht auf Fakten basiert, hat ein Problem. Ok, er hat viele Probleme, aber unter anderem das Folgende:

Er ist in der Diskussion chancenlos, seine Argumentation kann mangels Fakten nur auf kreativen Nebelgranaten und Ablenkungsmanövern bestehen. Dabei ist es am aller wichtigsten, sich selbst zu täuschen. Das gelingt am Besten, wenn alle anderen, genauso wenig argumentativen Boden unter den Füßen haben – also dem gleichen ideologischen System anhängen  – oder wenigstens einem, dass ebenso irrational ist, wie das Eigene.

Und wenn das nicht der Fall ist, wird es einfach unterstellt. Da kommen dann so unglaublich dumme Sager zu Stande wie: „Atheismus ist auch nur eine Religion.“ Das ist dumm, und es ist ganz leicht zu zeigen, dass das dumm ist, aber es ist für Gläubige unglaublich wichtig, hier eine vermeintliche Gleichstellung zu konstruieren. Gläubige haben mit Andersgläubigen weniger Probleme als mit Atheisten, weil nur Atheisten ihnen aufzeigen, dass das ganze System unnötig ist und zwangsweise zu Knoten im Gehirn führt.

Aus reiner Panik vor der Konfrontation mit der Wirklichkeit unterstellen sogar gar nicht mal so wenige Philosophen, Atheismus sei auch nur eine Religion. Und welche Philosophen tun das? Gläubige Philosophen.

Natürlich ist Atheismus keine Religion. Atheismus ist überhaupt nicht sehr viel. Es verweigert nur eine Annahme, für die es keine Hinweise gibt. Es ist so, wie ich den Glauben an fliegende rosa Einhörner ablehne, so lange mir niemand einen Hinweis auf deren Existenz liefert. Nicht an fliegende rosa Einhörner zu glauben, ist genauso wenig eine Religion, wie nicht an einen christlichen Gott zu glauben. Atheismus macht keine Aussagen darüber, woran ich glaube, welche Werte ich habe und wie meiner Meinung nach die Welt und das Universum aussehen.

Atheismus ist so sehr Religion, wie „Nicht-Fußballspielen“ ein Sport ist. Das ist intellektuell keine große Sache, checkt jeder. Zumindest jeder, der nicht darauf angewiesen ist, dass die Weltbilder aller anderen genauso irrational sind, wie sein eigenes.

 

PS: Den Nachtrag für Atheisten gibt es nur im Video

11 Responses to “Atheismus ist keine Religion”

  1. Eosphoros Says:

    Sehr geehrter Herr Wipplinger!

    Ich würde ihnen zustimmen, dass Atheismus per se keine Religion ist. So wie Theismus per se keine Konfession ist.

    Da ich (u.a.) die atheistische Religionsgesellschaft vertrete, stoßen wir hier wahrscheinlich bald auf mehr Gepsrächsstoff. So wie wir es sehen kann Religion in einem anderen Sinne verstanden werden als “Glaube” oder “Autoritätenhörigkeit”. Und dann stehen sich eine atheistische Grundanschauung und religiöse Praxis nicht im Weg.

    Gerade die Weihnachtsfeiertage zeigen, wenn man sie aus einer entsprechenden Perspektive betrachtet, wie viele Menschen auf die eine oder andere Art feiern, unabhängig davon, wie viele jetzt wirklich an Gott, Maria und Josef und Gottes Sohn, das Christkind glauben. Zu Weihnachten bekommen die Kinder Geschenke und freuen sich, immer mehr auch über den Weihnachtsmann.

    Wie würden Sie als Atheist mit Weihnachen verfahren? Würden sie es eher ersatzlos streichen oder durch andere Feiern ersetzen? Gibt es “einen (atheistischen) Weg” oder soll Vielfalt nebeneinander bestehen können? So wie zum Beispiel die Vielfalt zwischen einem nicht-religiösen Atheismus und einem religiösen?

    Wir haben dazu auf unserer Homepage (atheistisch.at) zu einer Texte-Sammlung aufgerufen, atheistische Weihnachten – was denken Sie darüber?

    Herr Wipplinger, es wäre interessant, wie Sie darüber denken, und in weiterer Folge könnte es interessant sein, sich gelegentlich bei Bier oder Kaffee über Götter und die Welt zu unterhalten. Würden Sie uns vielelicht einen kurzen Beitrag schicken?

    Mit freundlichen Grüßen

    Eosphoros

    p.S.: Ihr Blog heißt “diewahrheit”, und sie scheinen damit einen eher aufgeklärten Umgang zu haben. Bedenken Sie das bitte auch, wenn es um das (nämlich ihr eigenes) Verständnis der Begriffe “Glaube”, “Religion” und “Atheismus” geht. Sollten Sie (so wie wir) die Wahrheitssuche noch nicht abgeschlossen haben, so wartet ein anregender Diskurs auf beide Seiten.

  2. Jörg W. Says:

    @Eosphorus
    Bin schon auf dem Sprung in den Urlaub, aber eine spontane Antwort auf die “atheistischen Weihnachten” möchte ich doch geben. Ich sehe keinen Sinn darin, Weihnachten zu streichen, einerseits weil ich religiösen Menschen nicht in ihre Religion pfusche (so lange sie es umgekehrt ebenso halten) und zweitens, weil Weihnachten eine lange Kulturgeschichte mit mehreren Bedeutungswechseln hinter sich hat; es hat eine gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung abseits der spezifisch religiösen. Es ist bei uns beispielsweise ein wunderbares Familienfest geworden, dass wir alljährlich sehr schön zelebrieren 🙂
    Aber es gibt keinen atheistischen Weg – denn der Atheismus gibt nichts vor, weil er – was ich im Video hoffentlich rüberbringen – meines Erachtens fast nichts ist. Jeder Atheist muss selber herausfinden, wie er mit religiösen Inhalten umgeht, sein Atheismus ist nur ein winziger Aspekt seines Lebens, seine Werte, sein Umgang mit Mitmenschen, seinen ethischen Rahmen muss er mit Inhalten und Prinzipien füllen, denn der Atheismus allein bildet keinen Rahmen.
    Hoffe, das ist jetzt nicht zu sehr dahingeschludert, wenn Sie möchten können Sie Video und Kommentar natürlich gerne auch auf Ihrer Homepage einbinden/platzieren 🙂

    PS: Der Blogname war ursprünglich eine Anspielung auf die Pravda, denn das hier was damals auch als Medienblog geplant, hat sich dann aber anders entwickelt.

  3. J Says:

    Ich möchte nur erwähnen, dass man durchaus an eine höhere Macht, eine Ursprüngliche glauben oder annehmen kann, ohne die teilweise höchstmanipulativen Konstrukte der Religionen zu unterstützen oder anzunehmen. Somit ist man dann auch kein Atheist mehr. Man kann durchaus ein vernünftiger und aufgeklärter Mensch sein und Agnostiker. Letztendlich ist jeder Glaube, jede Ideologie in einer fanatischen Form abzulehnen. Solange jemand seinen Glauben gemäßigt auslebt, ist das zu akzeptiern. Nein ich korrigiere mich, solange jemand seinen Glauben so auslebt, ohne einen anderen einzuschränken ist es zu akzeptieren. Leben und leben lassen, dass beinhaltet natürlich auch, sich nicht über andere erhaben zu fühlen.

  4. Christine Says:

    Vielen Dank, wie immer bringen Sie es perfekt auf den Punkt, dieses Video werde ich wohl häufiger mal empfehlen müssen!

  5. Stephan Says:

    Mein Ältester ist nach dem Unterricht zu seiner Lehrerin gegangen und hat ihr gesagt, dass er nicht an das Weihnachtssingen kommen möchte (fand an einem Mittwochabend statt, lange nach Unterrichtsende), er sei Atheist. Sie hat ihm geantwortet, er sei noch zu jung, um zu wissen, warum er nicht an Gott glaube.
    Dies hat mich ziemlich genervt, deswegen habe ich sie angerufen. Nach einigen Diskussionen sagte sie mir, dass alle an etwas glauben. Ich- Nein, mache ich nicht.
    Doch, alle machen das, alle haben eine Vorstellung, wie die Welt erschaffen wurde. – Nein, ich weiss nicht, was vor dem Urknall war. – Ah, Sie glauben an die Evolution und so. So was ist Lehrerin und soll meinen Kindern was beibringen. Sagen wir es so, ich glaube nicht an einen Gott, an die Schule glaube ich auch immer weniger.

  6. ernst Says:

    geschätzter Herr Wipplinger,
    1. wünsche guten Urlaub
    2. mein privater Atheismus:
    kann nicht glauben, daß ein Gott (oder Göttin, soviel zeit hab ich) den Menschen gemacht hat.
    der Mensch ist für mich ein Tier von vielen und net wesentlich vernünftiger.
    Gott gibt eine Hausaufgabe (Religion)
    mit Bonus Malus System ?
    Wir Menschen erdenken Götter und Spielregeln.
    Ich bin für mein Tun und Lassen verantwortlich nach meinem Gewissen.
    Nach meinem Tod werde ich dort sein, wo ich vor meiner Zeugung war. (schreckt mich nicht)
    3. ich kann mich irren oder noch was dazulernen.

    alles Gute für nexte Jahr!

  7. Jörg W. Says:

    @Christine
    Danke 🙂
    @Stephan
    ich habe seit meiner eigenen Schulzeit keine Erfahrungen mehr mit Schule. Aber auch Lehrer sind Kinder ihrer Zeit, bei ihnen ist folglich mit den gleichen Schwachsinnigkeiten, aber auch mit den gleichen Fähigkeiten wie bei der restlichen Gesellschaft zu rechnen. Das ist vielleicht nicht aufbauend, aber Kinder sind robust, ein paar miese Lehrer verkraften die locker 😉
    @ernst
    Danke, gleichfalls Alles Gute

  8. Benjamin Says:

    Ja, Atheismus ist für mich keine Religion, aber es ist ein “Glaube an etwas”…

    Denn beim Glauben an etwas und dem Nichtglauben (=Glaube, dass etwas nicht zutrifft) handelt es sich beides mal um einen Glauben (entweder eine feste Überzeugung (Wissen), oder eine aus Wahrscheinlichkeitsgründen begründete Ansicht.
    So kann ich daran glauben, dass die Erde rund ist (Überzeugung, im Allgemeinen durch faktische Aussagen wie “Die Erde ist rund”) oder daran glauben, dass der FC Bayern das nächste Bundesligaspiel gewinnt.

    Das Problem ist halt, dass es in jedem Fall ein Glaube an etwas ist, genauso wie sich nicht zu entscheiden eine Entscheidung ist!
    Oder wie eine inhaltslose Menge, auch eine Menge ist (leere Menge)…oder eine nicht vorhandene Gewinnchance ebenso eine Chance (nämlich 0%).

    Gibt es jetzt irgendwelche Einwände dazu, die logisch nachzuvollziehen sind?

    P.S.: Ich sehe mich selbst als Agnostiker, mit atheistischer Tendenz, da nach der Wahrscheinlichkeitsbetrachtung ein Gott/Götter vermutlich nicht existieren obwohl es nicht auszuschließen ist.
    Wenn ich Lotto spiele, glaube ich ja auch nicht daran, dass ich den Jackpot knacken werde ^^

  9. Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW51/52, 2016) Says:

    […] diewahrheit.at: Atheismus ist keine Religion […]

  10. Nadine Says:

    Genau es gibt keine Regeln für Atheist sein als Atheist muss man nicht so oder so handeln
    Es gibt keine 10 Gebote man muss nicht ein besserer Mensch sein oder eine schlechterer…

    Meine Schwiegermutter die 86 ist bettet vor jedem gemeinsamen Essen zu Jesus…
    Sie tut mit ihrem Glauben keinem weh im Gegenteil ihr hat er über viele schwere Zeiten hinweggeholfen (Krieg usw.) und ich respektiere meine S-Mutter und Liebe sie….

    Und wenn sie betet Falte ich meine Hände und senke den Kopf (und denke an das total leckere Essen. Weil klar beten tue ich nicht… aber dem Koch – meinem Mann – bin ich jedesmalig echt Dankbar 😉 ) aber ich zeige ihr Respekt und mein Liebe durch mein Verhalten… sie weiß auch das ich nicht gläubig bin… Verstehen kann sie es aber nicht…

    Ich kenne andere Atheisten die mein Verhalten furchtbar finden (weil ja klar ist ja notwendig, alles abzulehnen und das auch jeden Gläubigen ständig zu sagen, dass es quatsch ist …blabla denke ich nicht! und das ist mein recht als Atheist, weil es eben keine Regelwerke für Atheisten und ihr verhalten gibt…) Ich kann Weihnachten feiern wenn ich will oder es lassen…

    Ich mache eine alte Frau Glücklich (ich respektiere nicht ihren Glauben ich respektiere diese eine Frau!) und wenn sie mal nicht mehr da ist, wird auch keiner mehr zu Jesus bei uns beten…

    Aber es ist für mich immer noch erschreckend, wie häufig mein Leben und auch andere Dinge von Menschen die an Gott glauben bestimmt werden oder ich belehrt werde… wie Moralische Werte aus Glaubensrichtungen Gesetzgebung, gesellschaftliche Vorgehensweisen, Wissenschaft und Bildung beeinflusst ….

  11. Jörg W. Says:

    @Nadine
    Ich kann dir nur zustimmen – was ich hiermit tue 🙂

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