Placebo (nicht die Band)

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Placebo (nicht die Band)

Guter Artikel in der TAZ

Placeboeffekt ohne Lüge?

Wikipedia (wie meistens, ziemlich ok)

Ich mag mich nicht anlügen lassen

Text:

Der Placeboeffekt, durchaus interessant und ich habe unter dem Video einige Links dazu, die sich durchaus zu lesen lohnen. Zur Definition: „Placeboeffekte sind positive Veränderungen des subjektiven Befindens und von objektiv messbaren körperlichen Funktionen, die der symbolischen Bedeutung einer Behandlung zugeschrieben werden.“ Das heißt, jede Behandlung hat auch einen Placeboeffekt, es gibt ihn also bei wirksamer Behandlung ebenso wie bei Scheinbehandlungen.

Manch Freund der Alternativmedizin, also der unbewiesenen Scharlatanerie, bringt gerne das Argument: Ist doch egal, wenn es nur über den Placeboeffekt wirkt, Hauptsache es wirkt.

Das hat den fetten Pferdefuss, dass mir nicht ganz klar ist, warum ich mich mit der unspezifischen Wirkung eines Placebos zufrieden geben sollte, wenn echte Medizin echte Wirkung hat und den Placeboeffekt kostenlos dazu liefert. Dann hat es den Nachteil, dass ich dafür akzeptieren muss, angelogen zu werden, was ich, wie hier schon mal beschrieben, nicht leiden kann. Und dann ist da auch noch die Tatsache, dass der Placeboeffekt eine recht unangenehme Grenze hat. Er heilt nicht.

Placebos wirken erstaunlich gut gegen Schmerzen. Und sie können vereinfacht gesagt, überall dort den Heilungsprozess unterstützen, wo die  Heilung nichts anderes braucht als Zeit. Sie greifen positiv in den Hormonhaushalt ein und beeinflussen die Botenstoffe im Gehirn. Sie können über Lernprozesse Schmerzmittel reduzieren helfen. Sie können also tatsächlich helfen.

Aber sie heilen keine Krankheiten. Sie bekämpfen keine Infektionen, regenerieren kein Gewebe, attackieren keine Tumorzellen. Sie haben keine spezifische Wirkung auf irgend eine ernsthafte Störung im Organismus. Fällt ihnen was auf: Das sind genau die Bereiche, in denen auch die „Alternativemedizin“ nichts erreicht. Ein paar Placebos können einem also schon den Alltag versüßen, im Krankheitsfalle darauf zu setzen, ist keine gute Idee.

3 Responses to “Placebo (nicht die Band)”

  1. Jörg W. Says:

    Es gibt sogar einen Cochrane Review dazu http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD003974.pub3/abstract
    (findet sich etwas versteckt auch im Wikipedia-Artikel)

  2. Niki Says:

    Schöne Zusammenfassung, gefällt mir! Eventuell hätts noch ein Hinweis auf das “Behandlungsdrama”, sozusagen als nichtstofflicher Pacebo, sein dürfen? Ich weiß, ist in der Definition eigentlich enthalten, hätte aber vielleicht eine gesonderte Erwähnung verdient… immerhin denken einige Menschen zb. bei homöopathischen Mittelchen zum Schlucken an Placebo, bei Akupunktur aber zb nicht. Same shit, different smell.

  3. Jörg W. Says:

    @Niki
    Danke. Was das Behandlungsdrama angeht – irgendwann gibts dazu mal ein eigenes Video 🙂

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