“Europäer wollen auf keinen Fall sterben”

Posted on: December 6, 2015
3 comments so far (is that a lot?)

Ausgerechnet der Mangel an Gefahren führt zu unnötiger Angst vor minimalen Risiken.

Wer schon von Gerd Gigerenzer gehört hat, weiß, dass wir Risiken völlig falsch einschätzen. Wie falsch, erklärt er beispielsweise in diesem Buch.

Wir sind also Pfeifen darin, einzuschätzen, was eine echte Bedrohung für uns darstellt. Wir fürchten uns vor dem Falschen. Aber genauso faszinierend ist, dass wir uns überhaupt fürchten. Unser Leben ist mit wenigen Ausnahme extrem sicher, echte Gefahren sind wahnsinnig selten. Das führt unter anderem dazu, dass wir es uns leisten können, uns vor unwahrscheinlichen Dingen zu fürchten. Zum Beispiel vor Impfschäden. Das echte hohe Risiko vieler Krankheiten ist weg. Das schafft den Luxus, dass wir uns ganz tierisch vor den extrem seltenen Impfschäden fürchten können.

Oder vor Terrorismus. Es mag zynisch klingen, aber in Europa stirbt so gut wie niemand an Terrorismus – und dennoch lassen wir uns durch die Angst davor zu Dingen treiben, zu denen uns echte Gefahren nie getrieben hätten.

Um die Regisseurin Anne Frütel zu zitieren: „Europäer wollen einfach auf keinen Fall sterben.“ Und weil die Gefahr so gering ist, züchten wir die Panik vor dem Unwahrscheinlichen.

Wir überschätzen kleine Wahrscheinlichkeiten sowieso, unser Gehirn hat von der Evolution kein Talent für Wahrscheinlichkeit mitbekommen, Daumenregeln waren offensichtlich ausreichend. In einer Welt, in der die großen Risiken verschwunden sind, führen diese Daumenregeln zu schlechten Entscheidungen – wir wollen gar kein Risiko und investieren daher unnütz viel Aufwand, um aus sehr unwahrscheinlichen Risiken noch unwahrscheinlichere Risiken zu machen.

Risiko zu minimieren ist nichts Böses, aber wenn wir dabei ein sinnvolles Verhältnis von Kosten und Nutzen haben wollen, dürfen wir diese Einschätzungen nicht einer irrationalen Panik überlassen. Weder beim Impfen noch beim Terror – wenn wir uns zu sehr vor seltenen Impfschäden fürchten, kommt die größere Gefahr der Erkrankungen zurück. Und wenn wir uns zu sehr vor dem Terror fürchten, geben wir unsere Freiheit völlig grundlos auf.

Lustigerweise würden wir vermutlich intelligentere Entscheidungen treffen, die uns ein besseres,freieres und sichereres Leben ermöglichten, wenn wir nicht ganz so panisch am Leben hängen würden.

3 Responses to ““Europäer wollen auf keinen Fall sterben””

  1. andybrandy Says:

    selten sowas nichtssagendes gelesen 🙂

  2. Eman Says:

    https://www.youtube.com/watch?v=J-mhrpkb9N0

  3. Jörg W. Says:

    Jetzt fürchten wir uns sogar schon vor der “Snooze-Taste” http://www.geo.de/wissen/gesundheit/14718-rtkl-snoozen-schadet-so-gefaehrlich-ist-die-schlummertaste

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